Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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Kinder^Tagebücher von der Leipziger Gartenbaufiedfüng 283 Leipzig, den 7. Mai 1918 Heute pflanzte ich Kohlrabi und Salat. Ich nahm einen Pflanzftock und machte ein Loch und hielt die Kohlrabi hinein, Dann mächte ich'ein Loch vor dem vorigen, drüdtte den Pflanzftock in das neugegrabene Loch und drückte die Pflanze nach. Leipzig, den 14. Mai 1918 Heute habe ich Taufendfchönchen und Sommeraftern gepflanzt. Die Taufend** fchönchen werden ebenfo wie Stiefmütterchen gepflanzt. Sommeraftern werden genau fo wie Kohlrabi gepflanzt. Hinter uns ift die Flughalle, Neben uns .ift die? Eifenbahn. Ich habe auch Radieschen gepflanzt und Zwiebeln gefteckt Die- Zwiebeln werden fo gedeckt: mit dem Pflanzftock macht man ein Loch und fteckt die Zwiebeln hinein. Bei den Radieschen legt man einen Daumen dazwifchen,, tut den Radieschenfamen hinein und fo fort. Dann fäte ich Möhrenfamen. Zur Vorficht mifchte unfere Gartenbaulehrerin den Möhrenfamen mit Rädieschenfamen. Die Radieschenfamen kommen früher als die Möhren heraus und werden dann herausgezogen. -■ Leipzig, den 22. Mai 1918 Als ich heute früh auf das Feld kam, machte ich den Weg fauber. Dann hackte ich das Unkraut von meinem Beet weg. Man nimmt dazu eine Eifen^ hand und lockert die Erde, die um das Unkraut herum ift und fteckt einen Finger in' das Loch und fühlt, ob die Wurzel des Unkrautes noch weit entfernt iftv und wenn es nicht weit entfernt ift, zieht man -es mit der Wurzel heraus und wirft es in den Korb. Dann fäte ich Eiszapfen. Erft: mußte ich zwei Linien ziehen, dann mußte ich einen Eiszapfenfamen an den Anfang einer diefer Linien hinlegen und dann zwei Finger neben dem Samen wieder einen Samen hinlegen, und fo ging es weiter. t Am Nachmittag Als ich nachmittags herauskam, fah ich auf unferem Feld die Kartoffeln herauskommen. Auf dem Bohnenfeld des Fräulein B. find fchon grüne Blüten. Heute ift auch Preisverteilung.*) Ich habe den erlten Preis bekommen. Der erfte Preis fiel auf ein Beet, das neben der WalTerleitung liegt. Ein Mädchen, namens Lina Klausner, hatte die eine Hälfte des Beetes bekommen und ich die andere. Wir können auf dem Beete pflanzen, was wir wollen. Den .zwejten Preis erhielt mein Bruder Hermann in Form eines Blumenftockes. Ifi Sprei erhielt als dritten Preis eine Pflanze, Auf meinem Beet find fchon die Kohlrabi und Salatpflanzen herausgekommen. Meine Mangoldfamen find auch fchon einen Zentimeter hoch. Meine Radieschenfamen find fchon zwei Zentimeter hoch. Dann arbeitete ich auf dem Feld des Fräulein Bambus. Da legten wir Erbfen und mußten mit. einem Stock ein Loch machen, vier Erbfen hineinlegen und dann das Loch zufchütten. » Leipzig, den 30. Mai 1918 Als ich heute hinausfuhr, um auf meinem Beet zu arbeiten,, mußte ich, als ich auf dem Felde ankam, mein Beet lod^er machen. Dazu nahm ich eine Eifen^ band, lockerte die Erde und haokte auch gleich das Unkraut heraus. Dann fäte ich Eiszapfen aus. Die Eiszapfen werden wie die Radieschen gefät. Dann fäte ich Blumenkrefle. Die BlumenkrelTe wird fo gefät, wie ich jetzt erklären werde. _ Man macht mit dam Zeigefinger ein Loch, gießt das Loch an und tut den Blumenkrefle^ lamen hinein und fchüttet das Loch zu. Leipzig, den 2. Juni 1918 Als idi heute meinen Salat und Kohlrabi einpflanzen wollte, fah ich zu meinem Erftaunen, daß Fräulein Bambus fchon Salat und Kohlrabi bei mir ge^ pflanzt hatte. Ich bedankte mich bei ihr. Nachher begoß ich mein Beet. Dann ging jdi auf unfer Feld, um Kartoffel zu hacken. Das wird fo gemacht, wie ich es jetzt erklären werde. Man nimmt eine Hacke und hackt die Erde, an der Zeile, *) für gut geführte Tagehefte. Die Kinder erfuhren jedoch von diefen Preifen erft fpäter, fo daß 1k gänzlich unbeeinflußt davon fchrieben. {