Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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282 Kinder^Tageb.ücher von der Leipziger Gartenbaufiedlun'g war es fchon 1/212, -und wir mußten bald aufhören. Als ich heute kam, be* traditete idh mir den Garten im Vorbeigehen/ da fah idv daß die Puffbohnen fchon blühten, es . fieht allerliebft aus. Leipzig, den 2. Mai 1918 Heute find wir allein hierher gekommen, weil Fräulein Bambus über Mittag draußen geblieben ift. Als wir angelangt waren, fahen wir fie fchon fleißig an der Arbeit. Wir zogen uns fchnell um und machten uns an die Arbeit. Wir nahmen uns jeder eine eiferne Hand und ein Körbchen, fo gingen wir an unfer Beet und loderten es, damit das Gemüfe befler wachfe. Als ich mit meinem Beet fertig war, lockerte ich das der Mafcha Rochlin. Da Jie fchon vier Wochen nicht da war, beforge ich es mit, da fonft das Gemüfe verdirbt. Fräulein Bambus hat uns heute früh unfere Beete gegoßen, damit wir noch ein bischen fpielen konnten. Auf Fräulein Bambus Feld find die Schoten bald reif. Als wir fertig waren, ging Fräulein Bambus von Beet zu Beet und fah nach, ob wir etwas ernten könnten. Ich konnte leider noch nicht ernten. Da ich ftatt Radieschenfamen Eiszapfen bekommen habe, fo muß idi mich noch eine Woche gedulden. Fräulein Bambus ging weiter und kam an Mafcha Rochlins Beet. Weil ich es immer mit beforgt habe, fo durfte ich auch ernten und brachte ein Bündel Radieschen von ihrem Beet mit. Als wir heute kamen, ging Fräulein Bambus uns freudevoll entgegen und erzählte uns, daß wir heute wohl alle ernten dürften. Gleich gingen wir an unfer Beet und ernteten. Ich habe ein ganz großes Paket geerntet. Ach, wie wird fidi meine Mutter freuen, wenn ich heute mit meiner er/ten Ernte nachhaufe komme. Aber jetzt muß ich auf* hören, da heute Fräulein Eilen zu Befuch da ift, und wir wollen noch ein bischen lefen. Und wenn% fpäter die Sonne nicht mehr brennt, fo gießen wir. den 2. September 1918 Nach langer Zeit will ich wieder einmal tüchtig nachholen. Jetzt war ich vier Wochen in Bauerbach. Dort war es fehr fchön. Aber doch dachte ich immer an den jüdifchen Garten zurüd(. Als ich glücklich wieder in Leipzig war, bin ich gleich hierher gekommen. Alles war ganz anders als vor vier Wochen. Zu meinem größten Erftaunen erzählte Fräulein Bambus, daß auch die Kartoffeln geerntet werden mülfen. Zuerft ging ich an mein Beet und lockerte es. Dann pflückte ich die welken Blumen ab. Zu ernten hatte ich nicht mehr viel, da mein Bruder in den Ferien alles abgeerntet hatte. Als ich mit meinem Beet fertig war, fagte Fräulein Bambus, ich dürfe auch das Kartoffelhacken mit probieren. Mit großer Freude nahm ich mir eine Hacke und einen Eimer und ging an das Kartoffelfeld. Dort fah ich fchon mehrere Kinder an der Arbeit. Zuerft mußte eines der Kinder das Kartoffelkraut herausziehen, dann zeigte mir Fräulein Bambus, wie man hacken mülfe. Man muß ein großes Loch graben, damit keine Kartoffeln in der Erde bleiben. Die Löcher mülfen wir auflaflen, damit Fräulein Bambus nachfehen kann, ob nichts in der Erde geblieben ift. Aber zu bald wurde zur Paufe geläutet, und wir mußten aufhören. Als wir mit Elfen fertig waren, gingen wir auf die Wiefe und fpielten allerhand Spiele. Zum Abfchied bekam jeder, der mitgearbeitet hatte, Kartoffeln zum Lohn,« auch ich habe drei Pfund bekommen. Dann verabfchiedeten wir uns und gingen nach Haufe. B) Von einem efßäßrfgen Knaßen Leipzig," den 5. Mai 1918 Nach Pelfach fingen wir unfer Kartoffelfeld zu bearbeiten an. Erft wurde ein Stück gegraben, und dann rechten wir. Als wir in der Mitte des Feldes waren, kam' Fräulein Bambus <fo heißt unfere Gartenbaulehrerin) und fagte: Wir könnten jetzt mit der Hacke arbeiten, weil es fchneiler als mit dem Spaten geht. Als wir mit unferem Felde fertig waren, fing ich mein Beet an. Als ich alles auf meinem Beet umgegraben hatte, pflanzte ich Blumen. Da wurde erft ein Lochgegraben, und dann nahmen wir die Blumen in die linke Hand, hielten fie in das Loch und fchütteten es zu und machten mit zwei Fingern einen Kreis. Dana zog ich zehn Linien.