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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 71

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 71)
Language
German
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Kinder/Tagebücher von der Leipziger Gartenbaufiedlung 281 KINDER - TAGEBÜCHER VON DER LEIPZIGER GARTENBAUSIEDLUNG Im erften Heft dieferZeitfchrift<S52.> berichteten wir über die Leipziger Gartenbau* Siedlung, die fich damals gerade im Beginn ihrer Tätigkeit befand. Inzwifchen liegt ein Sommerfemefter hinter ihr, über das wir von Fräulein Bambus, der Leiterin des Unternehmens, einen Bericht erbaten. Statt diefes Berichts erhielten wir eine Anzahl von Tagebüchern, in denen die in der Siedlung befchäftigten Kinder felbft von ihrer Arbeit und ijiren Freuden erzählen. Wir bringen im folgenden zwei von ihnen, die fich von den andern durch die größere Ausdrucksfähigkeit 4er Schreiber, dem Inhalte und Geilte nach aber nicht im geringften unterfcheiden. Das Manufkript ift nur hinfichtlich der Orthographie und der Interpunktion einer Korrektur unterzogen worden. Jeder mag bei der Lektüre diefer an fich höchft alltäglichen Tagebücher l'elbft ermeflen, was es bedeutet, wenn die Kinder in eine deutfche Großftadt ver^ fchlagener armer jüdifcher Eltern ihrer kindlichen SchafFensluft in ländlicher Arbeit Genüge tun und aus ihr die erften Anfchauungen gewinnen können. Die Redaktion äj Von einem effjaßrigen Mäd<£en, Leipzig, den 7. Mai 1918 Am 1. April war ich das erfte Mal in Mockau. Da haben wir jeder ein Beet bekommen. Dasfelbe ift 5 m lang und 1 m breit. Zuerlt mußten wir es umgraben und darauf achten, daß kein Unkraut darin bleibt, damit es unfer Gemüfe nicht verdirbt. Als wir fertig waren, zeigte uns unfere Gartenbau^ ■lehrerin, Fräulein Bambus, was wir nun tun follten. Wir mußten ein Meter ab^ melTen und darauf Blumen ftedten, und dann mußten wir lie begießen und dann zehn Reihen abmeflen, immer 20 cm voneinander entfernt- Heute habe ich noch Taufendfchöndieri, Sommeraftern und Betunien gepflanzt. Nachdem ich mit dem Blumenpflanzen fertig war, habe ich eine Reihe Zwiebeln, vier Reihen Salat, vier Reihen Kohlrabi, eine Reihe Peterfilie und Möhren gepflanzt. Den Möhren^ famcn haben wir mit Radieschenfamen gemengt. Am vorigen Dienftag hatte ich an meinem Beet nichts mehr zu tun. Da habe ich an dem Stück der Gartenfiedlung geholfen, wir haben Rillen gezogen, immer 25 cm entfernt. Dann kaben wir Löcher gemacht, immer in 30 cm Entfernung. Dann haben wir in jedes Loch fünf Bohnen hineingelegt und zu gemacht, und als wir heute früh um 9 Uhr hierher kamen, da fahen wir fchon von weitem etwas Grünes fchimmern auf dem Stüde Land, welches wir am * vorigen Dienftag bebaut hatten. Und als wir näher kamen, betrachteten wir uns die Bohnen, lie fahen ganz allerlieblt aus. Sie hatten fidi in der Mitte geteilt, und nun fprießen grüne Blättchen heraus. Als wir uns dann ausgezogen hatten, mußten wir unfer ganzes Beet lockern und das Unkraut herausziehen. Dann mußten wir außerhalb unferes Blumenftücks Löcher machen, immer eine Spanne entfernt, und mußten gießen, weil die Erde fo trodten war. In den Löchern haben wir Blumen^KrelTe gefät. Dann haben wir nodi an beiden Rändern unferes Beetes Eiszapfen gefät. Zu Mittag machten wir. einen Spaziergang durdi den Garten und betrachteten uns alles genauer. Da iahen wir, daß die erften Kartoffeln fdion herauskamen, auch' die erften Erbfen blühten fchon. Unterwegs kofteten wir Salat*Krefle und Gurken^ kraut,- beides hat uns fehr gut gelchnieckt. Wir zogen die Radieschen und die Eiszapfen aus der Erde heraus. Zu Mittag bekamen wir jeder einen Eis^ zapfen zum Koften. Wir können uns auch welche kaufen. 21. Mai 1918. Als wir auf unferem Feld anlangten, fahen wir alle belchäftigt, fie legten dit Erbfen nach, denn an vielen Stellen haben die Täubchen fie aufgepickt. Nun verzehrte ich fchnell mein Frühltück und machte mich an die Arbeit. Aber leider

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