Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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280 Kfötzef, Eine Forderung der jüdifchen Jugend jener wenigen Schulanftalten heranzuwachsen, die wie die mehr als ein Jahrhundert alte, ehrwürdige Talmud^Thora-RealfchuIe in Hamburg mit dem Geilte konfervativfter Gefetzestreue mehr als latenten jüdifdien Nationalismus ihren Schülern vermittelt, als he felbft es ahnt, der weiß, daß auch die jüdifche Schule von heute ungewollt der Seele jene Imponderabilien zu geben vermag, die wir als national bewerten.*) Selbft die unzulänglichfte jüdifche Schule gibt, wenn nicht jüdifche Gemeinfckaft, Ib doch jüdifches Beifammenfein. Und von dielem Beieinander muffen wir ausgehen, um das Miteinander zu erreichen. Wäre es möglich, daß fich die jüdifche Jugend aus eigener Kraft die Schule ichüfe, die ihr gemäß ift, fo würde fich diefer Weg vielleicht als ein Umweg ver-=- meiden laffen. Unter heutigen Verhältniffen ilt es der kürzefte und darum auch der befte: Wir wenden heute viel Zeit und Mühe daran, Hebräifch und jüdifche Gefchichte zu lernen. Gewiß, wir erfetzen damit nicht nur das, was jenen fehlt, die überhaupt keine jüdifche Schule befucht haben, wir berichtigen und ergänzen auch jenes, was die unzulängliche jüdifche Schule in wechfelndem Grade verabfäumt hat. Aber gefunden Verhältniffen widerfpricht beides, und da wir die neue jüdifche Schule in abfehbarer Zeit nicht fchaffen können, fo heißt es, fich mit dem gegebenen abzufinden und to make the best of it. Jedenfalls ilt das prinzipielle Bekenntnis zur jüdifchen Schule, wie immer fie auch fei, der erlte und wichtigfte Schritt, dem unfre Jugend ihrem Schulideal entgegen tun kann. Andrerfeits kann eine folche Forderung auch nicht dahin mißdeutet werden, daß man fie als ein Kompromiß mit dem Geift der jüdifchen Schule von heute auffaßt. Daß unfer Streben dahin gehen muß, diefe Schule von Grund auf um-- zugeftalten, das kann nirgends verkannt werden, auch außerhalb unferes Kreifes nicht. Und es wäre hier nicht das erlte Mal, daß es dem Geilte der Schüler gelänge, den Geift der Schule zu formen. Allerdings wird es auch der angeftrengten Arbeit der älteren Generation bedürfen, um den Widerftand der antinationalen Schulgewalt zu brechen. Ihr fei der Jugendtag eine ernfte und verpflichtende Mahnung, den Kampf um die jüdifche Schule mehr als bisher als eine nationale Aufgabe von größter Tragweite zu betrachten. Wenn wir auf dem Jugendtag erklären, daß wir neben allen Forderungen an uns felbft diefe eine Forderung nach außen richten, weil wir unfer Recht auf, üdifche Erziehung in Haus und Schule als eines unfrer Grundrechte betrachtent fo wird niemand fich dem Ernfte diefer Erklärung zu entziehen wiffen. Sie wird, früher oder fpäter, Frucht tragen. Darum ihr jüdifchen Schüler und Schülerinnen/ und Ihr, in denen noch die Not eines Euch fremden Schullebens nachzittert: fordert auf dem Jugendtag die jüdifche Schule!! Cßesfief Zivi Kfötzef