Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Kfötzef, Eine Forderung der jüdifchen Jugend 279 EINE FORDERUNG DER JÜDISCHEN JUGEND Wenn der nationaljüdifche Jugendtag Forderungen erheben wird, fo werden es nur folche fein, welche die Jugend an fich felbft richtet. Es ift meines Wittens nirgends der Gedanke laut geworden, daß wir irgendwelche Forderungen an irgend einen fremden Willen (teilen follen. Unfere Tagung soll und wird keine Demönftration fein in dem Sinne, daß Tie Wünfche zum Ausdruck bringt, deren Erfüllung wir nicht aus eigener Kraft uns felbft gewähren könnten. Nicht als ob es berechtigte Wünfche folcher Art nicht gäbe, als wenn wir überhaupt nicht das Recht hätten, von anderen etwas zu verlangen. Aber diefes Recht in Anfprucn zu nehmen, erfcheint uns wohl aus richtigem Empfinden heraus erft dann ange^ bracht, wenn wir den Beweis geliefert haben, daß es uns mit dem eigenen Wollen und mit der Selbftverpflichtung Ernft ift. Dennoch erfcheint mir eine Forderung an fremden Willen heute fchon unerläßlich. Ohne Referat, ohne Diskuffion, als eine Selbftverftändlichkeit möge der Jugendtag es mit allem Ernft und allem Nachdruck ausfprechen: Die nationaljüdifche Jugend fordert die jüdifche Schule als einzige ihr gemäße Erziehungstätte! Warum? Ilt die jüdifche Schule, fo wie Tie heute faft ausfchließlich befchaffen ift, etwa fo fehr vom jüdifchen Geilte befeelt, daß wir Tie freudig bejahen könnten? Ift fie nicht vielmehr — die im gefetzestreuen Geiß geleitete ausgenommen -~ meiften* das getreue Spiegelbild des Assimilantentums, das fie in ihrer jetzigen Form ge^ fchaffen hat? Bedeutet Erziehung in ihrem Sinne nicht Entnationalifierung in gejährlichfter Form? Scheint es nicht befler, junge, jüdifche Menfchen in der Einfamkeit fremden Schullebens aufwachfen zu laflen, in jener Einfamkeit, die die Wertvolle« immer auf den rechten Weg zur Gemeinfchaft weift, ftatt fie durch das Schein^ judentum der Schule'1 diefer Gemeinfchaft zu entfremden? Man kann das alles bis zu einem gewiflen Grade zugeben ~- und wird es tun, wenn man die Verhältnifle kennt —, aber dennoch wird man zu dem Schlaf kommen: Die fchlechtefte jüdifche Schule ift immer noch belTer als gar keifte! Wenn die jüdifche Schule auch nichts an jüdifchen Werten böte, als daß Lehrsr und Schüler Juden sind, und daß der Sahbath frei, ift, fo genügt auch diefo« Minimum, diefe reine Äußerlichkeit ihres jüdifchen Charakters, um fie erftrebenewert zu machen. Verhehlen wir es uns nicht: in unferer Jugendbewegung leiftet der Einzelne und leiften die verfchiedenen Organifationen ein ziemlich großes Quantum eiaor Arbeit, die der jüdifchen Schule zufällt, wenn fie fich nur einigermaßen ihwr nVingendften Aufgabe bewußt ift. Und wer das Glück gehabt hatte, in einnr *> Ich erinnere mich faft keines Mitfchülers auf der Talmud^Thora, der nickt im Laufe der Zeit Zionift geworden ift. Und es wird wohl keinen K. J. V.*er an* Hamburg geben, der fich nicht mit Stolz und Dankbarkeit ihren Schüler nennt, auch wenn er im Religiöfen andere Wege geht, als die Talmud-Thora sie ihm fcwkkn hat.