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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 66

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 66)
Language
German
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276 Krojanber, K. C.« Geilt und Entfaltung in fich. Man kann die äußere Anerkennung, die durdi die Gleichberechtigung ihren Ausdruck findet, als ein unumgänglich notwendiges Mittel für jede weitere Entwicklung, aber niemals als Ziel felber* betrachten. Der Kampf für fie kann überhaupt nur dann einen Sinn haben, wenn man ein ferneres Endziel der Gemeinfchaft nicht nur notgedrungen anerkennt, fondern von dem Streben danach lebendig erfüllt ift. Und dann dürfte einem der Kampf für die Gleichberechtigung nur als eine Etappe auf dem Wege erfcheinen/ dann könnte man nie in den Fehler verfallen, die Erfcheinungen des jüdifchen Lebens unter diefem Gefiditspunkte werten zu wollen. Im Kampfe mit uns haben die K. C.-er bereits bemerkt, daß ihre Ideologie an diefem entfcheidenden Punkte eine Lücke aufweift. Und fie haben fich bemüht, auch ihrerfeits ein Ziel aufzuftellen, das dem unferen entgegengefetzt werden könnte. Das ift die alte meffianifche Idee in der abftrakten und verwäflerten Form, in der fie heute zum geiftigen Beftande des libe^ ralen Judentums gehört. »Unfere große jüdifche, von den Propheten gekündete Aufgabe ift es, eine menfchheitumfaflende Religion der Welt zu bewahren, um fie einft fchenken zu können. Ihr kehrt der Zionismus, von der allgemeinen nationalen Parole mitgeritten, treulos den Rücken«. Wir wollen hier unerörtert laden, worin eigentlich diefe Treulofigkeit des Zionismus befteht; man kann nämfidi der Anficht fein, daß ein auf eigenem Boden lebendig lieh fortentwickelndes Judentum eher imftande fein dürfte, »Wegeweifer und Wegebahner zum letzten Ziele« zu fein als diefe enfjudete Menfchheit, die fidi heute unter dem Namen dss liberalen Judentums als Bewahrer des heiligen Hortes auffpielt. Aber in Wahrheit erübrigt fidi dem K. C. gegenüber die Auseinanderfetzung mit diefer Idee. Jedem ehrlichen K. C.-er folite, wenn er Sätze wie die eben zitierten lieft, die Schamröte ins Geficht fteigen, denn er muß willen, daß diefe verwafchene Menfchheitsidee, die zu nidits verpflichtet und die nichts erfordert, vielleicht einigen wenigen heiliger Ernft, der Mehrheit aber ganz gleichgültig ift. Und gerade hier liegt der Grund für die erbitterte Sdiärfe, die unfer Gegenfatz zum K. C. annehmen muß. Wenn fie vom Kampf gegen den Antifemtitismus und für die Gleichberechtigung fprechen, dann müflen wir ihnen wenigftens Ehrlichkeit zubilligen,; dann willen wir, daß es fich hier um etwas handelt, was wirklich jeder K. C.-er fühlt und als eine lebendige Forderung in fidi trägt. Aber wenn das Gerede von der melTianifchen Idee anfängt, dann merkt man, daß die Verlegenheitsphrafen beginnen. Lind es empört uns, daß Menfchen, 4eren Ziel in Wahrheit mit der Zulaflung zu Staatsämtern erreicht ift, einen hohen, den höchften Gedanken des Judentums fo leichthin gegen uns follen ausfpielen dürfen, die —' mag ihr Weg nun richtig oder falfch fein — doch jedenfalls mit jeder Fafer ihres Herzens um die Verwirklichung eben diefer Idee ringen. Unfere Einwände gegen die orthodoxe, niditzioniftifche Judenheit z. B. find gewiß

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