Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2827066-2827067-2827072--0296-2827396- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Krojauker, K. C.-Geilt 277 nicht unbeträchtlicher Art, aber dem Kampfe gegen fie fehlt alle perfönliche Erbitterung und Schärfe, weil wir ihnen gegenüber , in*, jeder Minute fühlen, daß fie uns nur mit Waffen bekämpfen, die ihrem innerften und heiligften Empfinden entnommen find, und daß ihr ganzes Leben mit ihren Worten im Einklang fteht. Die K. C.^er aber müßten es felbft als Hohn empfinden, wenn fie fidi in ihren Veröffentlichungen als Menfchen darftellen, die fo im Religiöferi wurzeln und leben, daß aus ihrem Geilte — und wenn auch erft nach Generationen — die jüdifche Religion ihrem menfchheitsum^ fpannenden Endziele zugeführt werden könnte. Beherrfchte diefer Gedanke tatfädilich ihr lebendiges Gefühl, dann könnte ein untere geordnetes Mittel zu feiwer Verwirklichung nicht ihr ausfchließlicher Programmpunkt und ebenfowenig die Grundlage zur Beurteilung des Zionismus fein. Wie fie auf diefer Bafis mit dem von außen drängenden Problem nicht fertig werden können, fo noch viel weniger mit dem wichtigeren, das ihnen durch die innere Wandlung eingeftandenermaßen geftellt ift. Man kann da allerlei Vorfchläge machen und Forderungen, (teilen, die recht brauchbar ausfehen und fich ausgezeichnet lefen.. So wird in einem Auffatz <Dr. H. Vogelftein, Die Friedensaufgaben, des K. C. S. 999) mehr jüdifches Willen gefordert: »Bewußtes Judentum heifcht Willen vom Judentum, und hier haben die K. C.* Verbindungen nach dem Kriege eine ganz befonders große Aufgabe.« Man hat hier zwar den Eindruck, daß das Beitreben befteht, fich dem Judentum von feiner ungefährlichsteSeite zu nähern, von der Seite näm* lieh, die kein Umlernen, fondern nur ein Zulernen, die keine Revolutionierung, fondern höchftens eine Bereicherung bedeutet. Aber ob darin nun Abficht liegt oder nicht — jedenfalls mögen jene belferen K. C.^er, die die Not ihres Verbandes tiefer fehen, fich gefagt fein laffen, daß mit dem bloßen Willen noch garnichts getan ift,- daß fie auch nicht den Hauch eines frifcheren Geißes in ihren Verband getragen haben werden, felbft wenn jeder einzelne von ihnen über die Kenntniffe eines Religionslehrers verfügt. Denn alles Wilfen bleibt tot, fofern man es nicht lebendigen Herzens zu verarbeiten weiß. Und lebendigen Herzens -— das heißt nichts anderes als mit einem Herzen, das für die Zukunft der jüdifchen Gemeinfchaft fchlägt. Nur hier kann jede auf Reform gerichtete Arbeit einfetzen, dann kommt das Streben nach, jüdifchem Wilfen von felbft, während es ohne dies eine vori außen herangetragene und in ihrem Ergebniffe unfruchtbare Forderung bleibt- Der K. C. mag fich drehen und wenden, wie er will, Forderungen erfinnen, die an fich nech fo fchön und billigenswert find — fie bleiben tot und auf dem Papier, fo lange er nicht für ein jüdifches Gemeinfchafts^ ideal mit der Kraft durchglüht ift, die er bis jetzt nur für ein fekundäres Mittel der jüdifchen Zukunftsgeftaltung aufbringt. Der Bericht über den K. C.^Tag verkündet im Anfchluß an die Mitteilung über die - erftrebte Vertiefung, »daß allfeitig eine Aenderung der Tendenz aisunnötig bezeichnet wurde. «Und es wird verfchärfend hinzugefetzt::