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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 65

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 65)
Language
German
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Krojanßer, K. Geilt 275 Knechtfchaft geprägt hat, einigermaßen erheiternd wirkt, um fo mehr* als der K. C. feine Sympathie für die »fdiöne Erfüllung« des Kulturzionismus bisher gut zu verbergen gewußt hat. Wichtiger ift, daß es durchaus K. C.-Geheimnis bleibt, wie ein jüdifches Ge* meinwefen von folcher Stärke des Eigenlebens, daß es »befruchtend auf die Juden aller. Länder wirkt«, foll beliehen können, ohne auch irgendwie ein politifches Gebilde und nach außen von politifcher Wirkung zu fein. Eine fogar auf die Diafporaländer wirkende Geifteskultur ift nur denkbar auf einem höchft entwickelten materU eilen Unterbau, der ebenfo wie feine geiftigen Ausftrahlungen pofitifche Folgeerfcheinungen haben muß. Es ift offenbar für diefe Be^ trachtung auch ganz gleichgültig, ob das jüdifche Paläftina als Beftandteil des türkifdien Reiches oder unter einer anderen Oberheit und in welcher Form organifiert fein wird. Die Angft der K. C.-er muß immer . diefelbe fein, ob es fich nun um eine autome oder nicht autome Provinz handelt,« ja, ob nun die Türkei oder eine andere Macht die Oberhoheit inne hat. Denn die politifche Kon^ ftellation von heute ift nicht die von morgen. Nur die politifche Kurzfichtigkeit der K. C.-er ift immer die gleiche,- ganz abgefehen davon, daß ihre Einftellung etwas rückfichtslos gegen ihre alfimi- Jantifchen Gefinnungsgenolfen in den Ententeländern ift, die ja ihrer^ feits gegen ein türkifches Paläftina heftig proteftieren müßten. Jüdifche Tragen fäffen fich eßen nur unter jüdifchen Gefichtspunkten ße* urteifen. Es ift auch da eine Einftellung denkbar,, die ein jüdifches Paläftina unter allen Umftänden ablehnt. Aber ja qtid Nein zu gleicher Zeit kann man nicht fagen,- man kann nicht die eine Seite eines Dafeins bejahen, deren naturnotwendige. Grundlage man vor^ her negiert hat. Hier fpricht wieder der ganze K. C., der nicht nein und nicht ja fagen, fondern nur zwifchen den Dingen lavieren, kann und deshalb allen gleich fern bleibt. Der letzte Grund für alle diefe Halbheiten liegt eben darinA daß das K. C.^Programm ein an fich zwar durchaus billigenswertes ift, aber niemals zur Grundlage für die Betrachtung jüdifcher Fragen genommen werden kann. Der K. C. kämpft für die Gleichberechtigung. Wenn es ihm dabei nur um die Gleichberechtigung der einzelnen Juden und deren größtmögliches Wohlergehen zu tun wäre, fo ftünde er damit von felbft außerhalb der Judentumsfrage und dürfte nicht beanfpruchen, hier, ganz gleich in welchem Sinne, feiner Stimme Geltung zu verfchaffen. Wenn er aber die Gleichbe^ rechtigung auch für das Judentum erftrebt, wird er notwendig auch die Frage nach den ferneren Endzielen eben diefes Judentums be^ antworten mülTen. Wie nämlich die äußere Anerkennung —' denn das heißt Gleichberechtigung — niemals das letzte Ziel eines ernft^ haften Menfchen fein kann, fo auch nicht das einer lebendigen Ge^ meinfthaft, fei fie nun eine religiöfe oder nationale. Auch die Ge^ meinlchaft, fofern auch nur ein Funken von Leben in ihr ift, trägt die immanente Tendenz allen Lebens, den Drang nach Entwicklung;,

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