Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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Krojaniier, K. C.^Geift ■benen Grundlage als ein ziemlich fchwieriges Gefchäft heraus, in dem fie mit dem eigenen Kapital nicht fehr weit kommen. Der fchlichte Abwehr-Standpunkt nämlich und die edle Gelte des Apologeten mochte hinreidien, folange fie nur nach außen befchäftigt und ihnen noch nicht im Judentum felber Gegner entftanden waren, die ihre ganze Grundlage in Frage .ftellten. Das mochte auch noch in jener erften Zeit hingehen, da wir ihnen als lädierliche Ideologen höchßens des Spotts und auch der gelegentlichen Entrüftung würdig und darüber hinaus nicht weiter beachtenswert fchienen. Aber es kam die Zeit, da wir ein nicht mehr zu überfehender Faktor wurden, da unfer jüngeres Kartell das ihre an Größe erreichte und hinter uns in unglaublich fchnellem Wachstum der Blau^Weiß aufftieg. Und als fie nun verfuchten, den geiftigen Kampf gegen uns auszu=- tragen, (teilte (ich heraus, daß die Waffen dazu in ihrem Arfenal nicht vorhanden waren. Wenn die nichtzioniftifche orthodoxe Juden^ heit uns bekämpft, fo gefchieht.es von der feftgefügten Grundlage ihrer jüdifchen Einteilung aus. Hier fteht Syftem gegen Syftem/ <lie Orthodoxie bedarf unferer Ideologie in Abwehr wie im Angriff nicht. Ihr gegenüber find wir eher cfie Lernenden^ die bei aller Gegenfätzlichkeit des Wollens doch viel Wertvolles übernehmen können. Der K. C. aber fah fich plötzlich vor Gedankengänge ge* .ftellt und mit Problemen befaßt, die ihm vorher auch nicht im Traume gekommen waren. Uns zu bekämpfen, mußte er fich auf »uns einftellen — und er hat es gründlich beforgt. Er weiß wahr^ fcheinlich felbft nicht, wieviel er uns durdi diefen Umftand verdankt. Für fein ganzes geiftiges Leben, foweit es nicht in Kneipen und Menfuren finnfälligen Ausdruck fand, bleibt er uns auf ewig ver^ pflichtet. Er wäre längft an völliger Erftarrung eingegangen, wenn ihm nicht der Kampf gegen unrfere Ideologie Gelegenheit geboten hätte, Stück für Stück davon zu übernehmen. Er operiert heute mit Begriffen, die aus unferem Lexikon ftammen,- er ftellt heute Forderungen, die wir fchon viel früher geftellt haben,« ja, fogar unfere Infiitutionen, wie z. B. den Wanderbund, wünfcht er fehnlich, uns nachzumachen. Und es ift kein fchöner Zug von ihm, daß er uns bei alledem heftig befchimpft. Etwas blieb trotz allen Sträubens haften. Aber da es nur ein Etwas war, hat feine geiftige Phyfiognomie nicht gewonnen. Man kann nicht Bruchftücke aus dem feftgefügten Syftem einer x fremden Welt, foweit fie einem paffend und ungefährlich erfcheinen, übernehmen, um die eigene Ideologie damit aufputzen. Gerade diefe entliehenen Schmuckftücke machen aus dem ohnehin nicht an Gefchloffenheit und Einheitlichkeit leidenden K. C. ein befonders fragwürdiges Gebilde. Zur Debatte ftehen eben nicht Einzelheiten, fondern die Grundlage. Und wer die ganze jüdifche Welt nur unter dem Gefichtswinkel der Gleichberechtigung fieht und jeden Verfuch auf Erweiterung diefes Horizontes als Hochverrat von fich weift, kann nicht verlangen, daß man irgendeine feiner Bemühungen