Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Krojanßer, K. C.^Geift Rolle ausgefpielt haben wird, fofern er nicht inzwifchen den Anfchluß an die neuen lebendigen Gedanken" der Jugend gefunden haben follte. Heute erfchöpft lieh das K. C.JProgramm in dem Kampf gegen den Antifemitismus und für die Gleichberechtigung. Und er gibt vor, diefe Gleichberechtigung für das religiöfe Judentum zu erßreben. Wie unzureichend dies Programm für die Stellungnahme zu jüdifchen Angelegenheiten ift, und welche Unaufrichtigkeit darin liegt, wenn der K. C. fich als Vertretung einer religiöfen Gemein^ fchaft auffpielt — ergibt ein Blid< auf die K. C.^Blätter, in denen der Geift diefes Verbandes lieh zur Erheiterung und Aufklärung für die Öffentlichkeit manifeftiert. Mir fcheint, daß der Erforfcher der K. C.^Seele bei ber Lektüre der K. C.-Blätter mit mehr Gewinn bei den Feldpoftbriefen*) als bei den Auffätzen verharren wird. Denn wie man ein Volk beffer aus feinem Leben und Treiben als aus den Produktionen feiner In^ tellektuellen kennen lernt, fo ftelft fich auch die K. C.^Seele in den Feldpoftbriefen ungefchminkter dar als in den Ichwierigen theoretifchen Erörterungen, die eine Oberfchicht von Intellektuellen der Öffentlichkeit zum Gefchenk macht. Und man wird zweifellos mit einer fo grundfätzlichen Betrachtung auch den Intentionen der Re^ daktion durchaus gerecht, da der Abdruck dieler Briefe in dem öffentlichen ftatt dem internen Organ des K. C. offenbar niebt der Benachrichtigung der Verbandsmitglieder untereinander, fondern einer größeren Oeffentlichkeit. als Auffchluß über die geiftige Struktur des Verbandes dienen folf. Daß diefe Briefe aus Kriegsberichten be^ ftehen, in denen die einzelnen Verfaflfer lieh als tapfere und kriegsbegeifterte Männer erweifen, kann auch von unlerem Standpunkt aus nur den Widerfpruch hervorrufen, der lieh aus dem peinlichen Gefühl ergibt, daß diefe Briefe allzu offen fichtlich in der würdelolen Abficht zufammengeftellt find, den anderen immer wieder und noch einmal unlere vaterländifche Gelinnung zu bewerfen. Und wenn dabei der Ton häufig eine feuchtfröhliche Note erhält, wenn es unter anderem heißt: »Es war herrlich fchön, Tommy fo von einem Graben zum andern hopfen zu fehen, immer an der Feuerwalze und von unferm Mafchinengewehrfeuer verfolgt« — fo mag man lieh zwar über einen Redakteur wundern, der Rabbiner ift und trotzdem für die herrliche Schönheit des hopfenden Tommy hin^ längliches Verftändnis aufbringt, aber man wird den Verfaflern zu^ billigen können, daß Tie gleich uns allen fich vor dem Entfetzlichen diefer Erlebnifie hinter die Roheit des Soldatenjargons gleichfam verbarrikadieren. Auch daß man fich in dielen Briefen im vierten Kriegsjahr immer noch »drei Ganze« vorkommt, »löffelt« und was dergleichen Scherze mehr find, kann man als interne Angelegenheit *> Ich verftehe hier unter Feldpoftbriefen den Teil der K. C.=Blätter, der unter der Auffchrift »Aus unferer Feldpofi>Briefmappe« zufammengefaßt ift. Was. von der Redaktion klbft als nidit in diefen Rahmen gehörig an anderer Stelle abgedruckt ift, wird auch von mir an anderer Stelle behandelt.