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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 53

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 53)
Language
German
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Edith Ladomatin, Jüdifcfi^nationale Mädchenerziehung 263 JÜDISCH-NATIONALE MÄDCHENERZIEHUNG Die große Frage des »ational^jüdifchen Jugendproblems, auf das wir mit vollßem Recht jetzt alle unfere Kräfte konzentrieren, erfcheint mir nur teilweife gelöft, folange wir dem Problem der jüdifchen Mutter und mit ihm der nationalen Erziehung unferer Mädchen nicht die größte Aufmerkfamkeit fchenken. Bisher fancl man fich mit der Feftftellung ab, daß die meiften jüdifchen Mädchen oberflächlich find und nicht den nötigen Ernft für nationale Arbeit auf* weifen. Man machte fich nicht klar, welche gefährlichen Konfequenzen fich aus diefen bloßen Feftftellungen für unfere Jugend ergeben und unterfchätzte den Wert der planmäßigen Erziehung, die hier manches Übel ausrotten und manchen Keim zur Entfaltung bringen wird. Um uns über die Erziehungsmethoden für unfere Mädchen klar zu werden/ müflen wir zunächft einmal die Pfyche des jüdifchen Mädchens von heute betrachten und zwar ihre menfchliche und jüdifche Art. Für nationale Erziehung kommen faft ausfchließlich die Mädchen des Mittelftandes in Betracht, die Mädchen der lbgenannten beften Gefellfchaft find uns zum größten Teil verloren. Hier könnte man allenfalls noch etwas erreichen, wenn man fie fchon als kleine Kinder in jü^ difche Sphären leiten könnte. Die herangewachfenen Mädchen find meiftens fo national entnervt, daß fie fich in unfere Ideenkreife nicht mehr heineindenken können, felbft wenn fie den Willen dazu haben, fträubt fich ihre entjudete Seele dagegen. Um auf die Mädchen des Proletariats, die ja leider Gottes oft fchon demoralifiert find, erzieherisch einzuwirke.ii, müfTen wir zunächfi: einmal aus den Kreifen des Mittelftandes ftarke Charaktere und PerfÖniichkeiten erziehen und die verfchie^ denften Einrichtungen wie da find : Toynbee=Hallen, Arbeitsnachweife, Erholungsheime ufw. fchaffen. Allerdings gehörte diefe Arbeit mehr in das Gebiet der zioniftifchen Frau. Diefes große Problem muß hier vorläufig uherörtert bleiben. Betrachten .wir alfo einmal die ihrer Zahl nach meiften und nach geeigneter Erziehung für nationale Arbeit am eheften brauchbaren Mädchen des jüdifchen Mittelftandes. An ihren geiftigen Fähigkeiten richtet die übliche Töchterfchulbifdung manchen Schaden an. Sie haben zehn Jahre zu viel auswendig gelernt und nicht fefbftändig gedacht. Ihr Intereflenkreis ift meiftens ziemlich klein, er ilt auf Ge^ fellfchaft, Theater, Vergnügen, Senfationsprozefie und allenfalls auf belletriftifche~ Romane gerichtet. Ich bin auch fchon fehr oft Mädchen begegnet, die überhaupt nichts lefen. Auch die Berufe, die unfere Jüdinnen heute in der Regel ergreifen, find fchädlich für die Erweiterung ihres Gefichtskreifes und ihr Denkvermögen, befonders der der Haustochter. Und wie verheerend auf Geilt und Körper unferer Mädchen wirkt das ftundenlange Sitzen bei mechanifcher Büroarbeit. Nicht ihren Fähigkeiten und Veranlagungen entfprechend und wie oft auch nicht mit Luft und Liebe ergreifen fie diefen Beruf. Es ift den Eltern fo am. bequemften, ja, die jüdifche Mutter bemüht fich erft garnicht, herauszufühlen, für welchen Beruf fich ihre Tochter befonders eignete. Die Mädchen, noch unerfahrener, fügen fich und bereuen fpäter oft genug, diefe Wahl getroffen zu haben, da ihre Eignung auf ganz anderen Gebieten lag. So geiftig verwahrloft durch äußere Bedingungen, wird auch zur Entfaltung ihres Charakters und Entwicklung ihrer Perfönlichkeit herzlich wenig von Haus aus getan. Die Eltern ftehen teils fo im Exiftenzkampf, daß fie keine Zeit dazu finden, teils aber auch haben fie es auch nicht anders vor fich gefehen und verftehen nicht, fich in die Seele des Mädchens hineinzuverfetzen. Ihr Sinnen und Trachten ilt von Schulaustritt an nur darauf gerichtet, die Tochter fchnell zu verheiraten fie machen fie eitel und gefallfüchtig und halten lieh nicht vor Augen wie oft fie das Gegenteil erreichen, denn mit Recht fürchten fich die jungen Leute, Ehen mit foldien anfpruchsvollen, oberflächlichen Mädche« einzugehen.

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