Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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264 Editß Lacßmann, Jüdifch^nationale Mädchenerziehung Diefe für ernfte Fragen ziemlich* empfindungslofen Mäddien flehen darum befonders ihrem Judentum vollkommen gleichgültig gegenüber, es ift ihnen noch beftenfalls Sache der Pietät. Und diefe für den verantwortungsvollen Beruf der jüdifchen Mutter un^ vorbereiteten Mäddien werden nun die Mütter unferer Jugend. Das ift das große Problem, das ungelöftt vor uns liegt! Hier muß ftrafffte Arbeit der Frauen und Mädchen einfetzen, die lieh felbft bereits fo weit erzogen haben, daß fie das Erworbene jungen Seelen übermitteln können. Bisher haben die meiften bewußten Zioniften in unbegreiflidier Kurzfichtigkeit nach Abfchluß ihrer eigenen zioniftifchen Durchbildung den Wert der planmäßigen zioniftifchen Mädchenerziehung verkannt. Das muß anders werden! Wir müfien'Beziehungen zu jüdifdien Mädchen fuchen, fie felbftändig organifieren und auf den Boden gemeinfamer Tätigkeit führen, die fchon an fich die hefte Grundlage für die Entwicklung nationaler Energie ift. Hier darf man fidi aber nicht damit begnügen, den Mitgliedern einen Vortrag oder Paläftinakurs zu halten, fondern hier muß man zunächft auf die Seelen einwirken, was natürlich nur möglich ift, wenn die Frau zur Frau fpricht: »Menfdi werden, und es jüdifch werden«. Bubers bedeutungsvolles Wort fei befonders bei dem vernachläfTigten Seelenleben unferer Jüdinnen die Devife! Man halte fie zur Selbfterziehung an, die ihnen vollftändig fehlt, und zur Erziehung für die Gemeinfchaft, verlange ftrengfte Pflichterfüllung und Disziplin, der fie.lieh anfangs nur fehr fchwer fügen können, an die fie fich aber mit der Zeit gewöhnen. Verantwortlichkeitsgefühl und Opferfinn für die Gefamtheit müfien fie in der neuen Gemeinfdiaft lernen, ebenfo Verftändnis für die Schönheit der Kameradfchaftlichkeit. Abfdieu follen fie empfinden vor der erbärmlichen Kleinlichkeit, die darin liegt, für perfönliche Zänkereien Kraft zu vergeuden und die Sache darunter leiden zu lallen. Gerade auf diefem Gebiet ift bei Mädchen noch befonders viel zu verbeflern. Wir müfien fie hinausführen in die Natur, für Stählung ihres Körpers durch Turnen und Sport Sorge tragen und fie zu felbftändigem Denken und Erweiterung ihres Interefienkreifes anhalten. Hand in Hand muß damit die Erzie^ hung zur wifienden und zioniftifdi arbeitenden Nationaljüdin gehen. Der jungen Jüdin muß Gelegenheit geboten werden zum Erlernen der jüdifdien Gefchichte und Literatur, zum Erlernen der hebräifchen Sprache und zur Orientierung über den Zionismus, damit fie auch fähig ift, unfere Ideen zu verbfeiten. In ihrem neuen Kreis muß fie vor allen Dingen lernen, ihr Volk zu lieben und zu verliehen, die Schönheit feiner Sitten und Gebräuche zu beachten, damit fie fpärer einmal bewußt das jüdifche Heim fchafft, aus dem der Mann Kraft für die Schwere des Lebens und den Kampf für die nationale Befreiung feines Volkes fchöpft, die Kinder aber unvergängliche innere Werte. Aber auch national^foziale Außenarbeit können die fo erzogenen organi^ fierten zioniftifchen Mädchen leiften, ich denke dabei an Volksheime, Kinderhorte Toynbeehallen, landwirtfehaftliche Schulen. Ein Anfang für folche nationale Mädchenerziehung ift bereits in dem zioniftifchen Mädchenbund gemacht, dem fich innerhalb eines Jahres zwölf Mädchenklubs in Deutfchland angefchloflen haben. Wir haben hier praktifch gefehen, daß junge Mädchen diefen Erziehungsmethoden fehr zugänglich find, und daß geiftige und feelifche Entwicklung bei ihnen möglich ift; — Nun könnte man mir entgegen^ kalten, daß Jugendvereine und Blau^Weiß Ähnliches leiften. Aber darauf ift zw erwidern: Der Jugendverein wird fich vermöge feiner Struktur niemals mit der Seele des einzelnen Mädchens befallen können. Die feelifche Entwicklung der Mädchen wird gehemmt, wenn fie nich t unter fich find. Eine gewifte Scheu tritt kervor, wenn nicht die Genoflfin zu ihn en fpricht, die fie befler verlieht und milder ihre Fehler und ihre Art beurteilt. Schließlich gibt es eine ganze Menge Probleme, die Mädchen nur befprechen und fördern können, wenn fie einander allein beraten. Der Blau-Weiß aber hat ja fchon oft felbft gefühlt, daß eine Inftitution für leine ihm entwachfenen Mädchen erforderlich* ift. Genau fo wie die dem Blau= Weiß entwachfenen Jungen in das K. J. V oder den HerzUClub gehören, ebenfo die Mädchen in den Mädchen^Klub.