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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 47

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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Sopfit\> Steinhaus, Aus dem jüdisÄcn Vöfkshdm 257 feine Berufstätigkeit, fei es für Jahre, zu unterbrechen und mit ihnen «Jas Handwerk zu erlernen. Dies nur ein Betfpiel, es fpricht für fich feibft. Man erficht aus alledem wie verfchieden das Volksheim vom üblidien Settfement ift. Nicht Mitleid, Pflichtbewußtfein, Wohltätigkeit einerfeits und Tiefftand,t foziale Not andererfeits find die Grund* läge, fondern die Einheit und Gemeinfchaftf eines Volkes: die Organifation entfpricht ungefähr dem Settlement, aber die Aufgaben find, dem Ziel entfprechend, andere. Eine nähere Darftellung mag dies erläutern. Nach Alter, Gefchledit und Veranlagung Zufammengehörige fciiließen lieh in Gruppen von etwa 15—25 Perfonen zufammen. Gewöhnlich wählt fich die Gruppe aus dem Kreis der Weftjuden nach Beratung mit der Leiterin des Volksheims, Gertrude Welkanoz, einen Helfer oder eine Helferin. Helfer ift nicht gleichbedeutend mit Gruppenleiter. Initiative und Ausführung find foweit als tunlidy auch bei den Kleinen, bei den Gruppen feibft. Die Gruppe, wählt fidi aus ihren Reihen einen Führer oder eine Führerin, deren Autorität lie fidi bis zur Neuwahl freiwillig fügt. Der Helfer macht feinen Einfluß durch Anregung und Richtungsweifung geltend, ift niemals Lehrer, immer Kamerad, häufig fogar Freund. Das Volkse heim umfaßt die Jugend von etwa drei bis zu dreiundzwanzig Jahren. Die nod\ nicht fchufpflichtigen Kinder find im Kindergarten, der von drei im Peftalozzi-Fröbelhaus ausgebildeten Kinder^ gärtnerinnen beforgt wird. Welcher Segen der Kindergarten in einer Zeit ift, in der fo viele Mütter außerhäuslidi arbeiten müflen, daß fämtlidie Kindergärten Berlins überfüllt find, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden. Schon an diefen kleinen Kindern wird große Nervofität beobachtet. Die Kindergärtnerinnen, gleichfalls freiwillige Helferinnen, ~- alle Arbeit im Volksheim wird ohne Bezahlung geleiftet, machen es fich' zur Aufgabe, durch die Auswahl der Spiele und durdi ihre Pflege möglichft beruhigend zu wirken. Durch kleine vHand*Arbeiten wird die manuelle Gefdiicklichkett und die Freude am Handwerklichen ausgebildet. Eine der Kindergärtnerinnen ift Paläftinenferin, fie fpricht mit den kleinen nur hebräifch. Die Kinder verliehen fie fehr gut und fprechen auchbald feibft etwas,- auch die Kinderlieder werden hebräifch gefungen. Allen Gruppen gemeinfam find die folgenden Grundfätze: Körperpflege durch Turnen, Schwimmen, Wandern, Spielen und Landarbeit auf dem gemieteten Laubenland, technißhe Ausbildung im Holzfägen, Buchbinden, Metallarbeiten, Zeichnen, Schneidern ufw., Lefen guter Lektüre, daran fchiießende Diskuflion, die Pflege des Hebräifchen und der jüdifchen Gefchichte. Vor allem aber wird treue gute Kameradfchaft, der jüdifche Gemeinfchaftsfinn gepflegt. Nicht der abftrakte, fondern der tätige jüdifche Menfdi fteht den Helfern vor Augen und nach diefem Ideal bilden fie fich wie die ihnen Anvertrauten.

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