Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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258 * Sopßt'e Steinhaus, Aus dem jüdischen Volksheim Trotz den gemeinfamen Grundlinien herrfcht außerordentliche Vielfältigkeit, Jede Gruppe hat ihre eigene Seele, ihre befonderen Tendenzen aus jeder Gruppe wäre viel Intereflantes zu erzählen, denn alle find erfüllt von wahrem Leben. Es wäre den SchuU Pädagogen zu wünfchen, daß fie erß durch folche Gruppen gehen könnten, ehe fie im Schulapparat mit Penfum und den anderen Übeln der Jugend entfremdet werden. Etwas von der Frifche und. dem unmittelbaren Verhältnis zwifchen Helfer und Jugend würde fich dann wohl noch in der Schulßube finden.. Vom Jünglingsbund <Agudath bachurim) und vom Mädchenbund fei noch näher die Rede. In diefen beiden Gruppen find die älteßen Volksheimgenolfen zufammengefchloffen, das find Jünglinge und Mädchen etwa im Alter von 17 bis 24 Jahren. Man kann dem Streben nach Erkenntnis der ideellen Wertender Spannkraft in wirtfchaftlich bedrängter Lage, dem fit^Jichen Ernß werden. Und mit wie erßaunlicher Intelligenz nehmen hier Schönheits¬ und Wiffensdurftige jede Anregung auf. Die Helfer find ihnen mit großer Liebe zugetan, und auch aus ihrem eigenen Kreife find bereits Vorzüge liehe Helfer hervorgegangen. Sie find nicht Objekt, fondern Träger des Volksheims^ forgen für die Jüngeren und für die Ausgeßaltung ihres Volksheims, bringen fogar, wenn es nötig iß, unverhältnismäßig große Summen auf. Als es galt, ein Volksheim in Warfchau zu gründen, brachte die Agudath bachurim allein in wenigen Tagen über 500 M. auf. Sie war es auch, die aus eigenem Antrieb eine öffentliche Lefehalle in den Räumen des Volksheims einrichtete. Um folchen Menfchen gerecht zu werden, muß die Helferfchaft unermüdlich fein, muß der hohen Aufgaben bewußt fiändig an fich arbeiten. An einem Abend in jeder Woche kommt die Helferfchaft zufammen, um fich über die in der Arbeit gemachten Erfahrungen und über die neu gefundenen Probleme und Schwierigkeiten auszufprechen und Rat und Anregung von anderen Helfernzu erhalten. Pädagogifche und foziale Fragen werden erörtert, auf wichtige Literatur wird hingewiefen ,• es iß einleuchtend, daß ein Austaufch diefer Art über das Sachliche hinaus zu einem allgemein, menfehlichen wird. Denn die Helferfchaft iß felbß jung, zwifchen 18 und 30 Jahre alt, und fetzt fich dementfprechend mit dem Leben auseinander. Allwöchentlich üben die Helfer hebräifch oder befprechen ein Kapitel aus der Bibel. Außerdem finden Unter weifungen auf andern Gebieten, z. B. der Pädagogik, Sozialpolitik, landwirtfdiaftlicher Fragen etc. ßatt. Vier bis fünf Helfer bezw. Helferinnen wohnen im Heim. Sie können an dem Leben der Oßjuden am fiärkfien teilnehmen. Doch wer das Volksheim als Arbeitsfiätte erfaßt, hat nur einen Teil. Alles iß durchwärmt uud erleuchtet von fonniger Fröhlichkeit, Singen erfüllt das Haus, harmlofe Gefelligkeit ver* einigt alle. Die zum Volksheim gehören, genießen Freundfchaft im diefer jungen Menlchen durch