Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Kaminsßi, Die jüdische Turnbewegung. 253 Spiel, als unbewußte Seibiterziehung des Willens, in derfelben Richtung wirkt, fei nebenbei, bemerkt. Auch andere Nationen haben den erzieherilchen Wert der Leibesübungen erkannt und beherzigt. Die deutfthe Turnbewegung ift als Erziehungsmittel für die Befreiung Deutfchlands entftanden und hat wefentlich zur Erweckung des deutfchen Nationälempfindens beigetragen, In den polnifchen Sokolvereinen wird diefelbe Tendenz feit Jahrzehnten 'mit Erfolg vertreten. Die Pflege des Sportes hat dem Engländer und Amerikaner in wenig mehr als einem Menfchenalter feinen Stempel aufgedrückt und dem nationalen Typus feine Eigenart gegeben. Wir folgen alfo nur den Beifpielen der erften Kulturvölker, wenn wir eine planmäßige Körperfchulüng für die heranwachfende Jugend im weiteften Umfange fordern.*) An diefen Fragen kann die allgemeine jüdifche Jugendbewegung nicht ohne Stellungnahme vorübergehen. Sie will die Kämpfer und Führer für die jüdifche RenailTance heranbilden. Hierzu langt Gefinnung und Willen allein nicht aus. Der Krieg hat es uns elementar gezeigt, daß in höherem Maße Mut, Aufopferung, Selbft> bewußtfein und Willenskraft. zu jeder nationalen Höchftleiftung er^ forderlich find. Diefe Eigenfchaften zu erziehen, iß das vornehmfie Ziel der jüdifchen Turnbewegung, und mit diefem Ziele wird fie •> Der Vorwurf gegen andere Jugendorganifationen, z. B. den Blau~ Weiß, die Entwicklung des Willens trete in ihnen zurüdk gegen die Pflege des Gefühlslebens, fcheint uns unbegründet Beinahe möchte man den Vorwurf um^ kehren. Meflen wir die zionifiifchen Erfolge einer Jugendorganifation daran, wie^ viel Menfchen fie herangebildet hat, die entfchloflen find, nach Paläftina zu gehen, fo dürfte das Ergebnis zu Ungunften der Tumerfchaft ausfallen. Vielleicht fogar fchon dann, wenn man den Maßftab noch niedriger nimmt. Der Einwand, die Turnerfchaft fei von den anderen im Stiche gelalfen worden, greift nicht durch. In zwanzigjähriger Entwicklung hätte fie dazu gelangen müllen, ihren Menfchen* bedarf aus dem eigenen Nachwuchs zu decken. Wenn ihr das nicht gelungen iß:, wenn trotz der von Kaminski erwähnten numerifchen Erfolge die Entwicklung doch ftockte, fo fcheint uns das an zwei Gründen zu liegen. Einmal in einem programmatischen: die Turnerfchaft hat das gefühlsmäßige oder fagen wir ruhig das geiftige Element wohl doch nicht genügend gepflegt, fie hat es nur feiten verbanden, ihren Mitgliedern den Zionismus zum Erlebnis zu machen. Sie begnügte fich mit einer Unbeftimmtheit des Programms <und feiner Auffaflung in ihren eigenen Reihen), die fie jeglichen geiftigen Reizes beraubte. Dann ein or~ ganifatorifcher: die Anerkennung des Sports hat fich nur fehr allmählich und vielleicht fogar heute noch nicht ganz in der Turnerfchaft durdigefetzt. Es ift aber mindeftens fehr fraglich, ob das von der Turnerfchaft bisher vorwiegend gepflegte fpezififch deutfche Gerät^Turnen wirklich das geeignete Mittel zur Wirkung auf jüdifche Kreife ift Es fcheint vielmehr, daß der Sport der jüdifchen Körper* und Geiftesbefchaffenheit viel mehr entfpricht. Der Ruderverein Jüdifcher Studenten im K. J. V. hat im Laufe weniger Jahre alles erreicht, was die Turnerfchaft feit zwanzig Jahren vergeblich erftrebt; eine auf geiftigem Fundament zufammengefchloflene Kameradfdiaft körperlich tüchtiger junger Juden. Und diefe Entwicklung ift unabhängiger vom K. J. V. ror fich gegangen, als der Außenftehende denken mag. Diefes Beifpiel follte die Turnerfchaft beachten, wenn fie nach dem Kriege die Gelegenheit hat, fich neu aufzubauen. Die Reaafition