Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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252 Kaminskij, Die jüdische .Turnbewegung wegen des Fernbleibens der »Intelligenz«, immer dünn gefät waren, als eine prinzipielle. Anders dagegen find andere Fehlgriffe zu beurteilen, die fidi in der Tat bitter gerächt haben. So hat man die hauptfächliche Aufgabe/ die Erziehung der heranwachfenden Jugend, während langer Jahre arg vernadiläffigt Die Zahl der Jugend^ und Kinder^ Abteilungen war für die große Aufgabe eine viel zu geringe. Überhaupt ift der Erziehungsgedanke, neben dem der körperlichen Hebung der Juden, viel zu kurz gekommen. Die Forderung der Willensfchulung ift es, die die Turnbewegung in ihrer nationalen Bedeutung über alle anderen Jugendbeftrebungen hinaushebt, auch über den in letzter Zeit fo sehr bevorzugten Blau-Weiß. Diefer hat in erfter Linie die wichtige Aufgabe der Hebung des jüdifchen Empfindens neben der körperlichen Förderung, die Turnerfchaft die der Ausbildung der Tatkraft und des Willens. Jüdifdies Empfinden ift bei der großen Malfe der Juden ftets vorhanden gewefen, da^ gegen mangelte es von je an nationaler Tatkraft. So fehr der meflianifdie Gedanke auch die Gemüter der Juden bewegte, fo wenig vermochte er in all den Jahrhunderten irgend eine größere Tat auszulöfen. Dielen Geift des untätigen Beharrens, obwohl Verltand und Gefühl' die Richtung weifen, dielen unpolitifchen Geift der Paffivität verflicht die jungjüdifche Bewegung zu überwinden. Sie will die uralten Ideale endlich, zur Tat machen. Und doch ift diefer Geift in der Form einer intellektuellen Befchaulichkeit auch eine Gefahr geworden für die jungjüdilche Bewegung felbft. Die Zahl der Zioniften, die bei diefer Überzeugung und guter Ge~ finnung doch untätig zufchauen und ihrem Gewiflen Genüge tun, wenn lie »alle Probleme« löfen, diefe Zahl ift heute fdion eine erfchredtend hohe und der politiiche Geift der Bewegung läuft Ge^ fahr, von feiner revolutionierenden Kraft zu verlieren. Hier tut alfo eine fyftemattfche Erziehung zu nationaler Betätigung dringend not. Es kann lidi inden Jugendorganifationen nicht nur darum handeln, eine beftimmte Gelinnungsrichtung zu pflegen und rein intellektuell an unfer Problem heranzutreten, fondern es gilt, die Jugend zu erziehen, ihrer Gefinnung die Tat folgen zu lallen. Nur fo werden wir die Erfüllung der zioniftifchen Ideale ermöglichen. Diefe Erziehung" wird nur durch konfequente Willensfchulung er^ reicht. Unfere Jugend muß lernen, mit Einfetzen der letzten Willenskraft an einem einmal geftedvten Ziele zu arbeiten, bis fie es erreicht hat. Diefe Willensausbildung wird am zielbewußteften durch den Sport vertreten ,• denn wahrer Sport will nur reinfte Willensfchulung fein, die Körperentwicklung fteht erft in zweiter Linie und ift manchen fportlichen Leiftungen direkt entgegengefetzt. Neben der bewußten Selbfterziehung des Willens; dem Sport, kommt die Schulung durch einen Erzieher, wie fie beim Turnen erftrebt wird, für die jüngeren und körperlich nicht zu Hödifi> leiftungen neigenden vor allem in Betracht. Daß das turnerifche