Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Qstertag, Blau^Weiß^Gedadken 249 feine Perfönlichkeit zur vollen Entfaltung, fie erft läßt fo etwas wie einen gemeinfamen Willen entliehen. Der Einzelne gelangt durch diefen Gemeinfchaftsgeift zu einer neuen, nicht nur verftandes-, fondern vor allem gefühlsmäßigen Einftellung der Gemeinfchaft gegenüber. Im Gegenfatz zu einem fchrankenlolen Egoismus ebenfo wie zu einer nur pflichtmäßigen Unterordnung unter die Intereffen der Gemeinfchaft entßeht ein felbfiverftändliches Gefühl für die Einordnung in die Gemeinfchaft, das uns ein Neues und unendlich Wertvolles zu fein fcheint. Denn felbft jene Unterordnung aus Pflicht ift meift mit einem Opfer der Perfönlichkeit verbunden, das vielfach einen Verluft für die Gemeinfchaft mit fich bringt. Wie die Gotik etwa im Portal des Freiburger Münfters zu einem durchaus ftarken und vielgeftaltigen Einzelausdruck in den Figuren gelangt, diefe aber ihre eigentliche Bedeutung und ihr tieferes Leben erft durch ihren Zufammenhang mit der Gefamtarchitektur des Bauwerk^ empfangen, wie alfo die Einzelplaftik und das Bauwerk eine organifche Einheit bilden, fo fehen wir in der Ent* flammung eines derart befchaffenen Gemeinfchaftsgeiftes eine unferer wefentlichften Aufgaben. Der Blau^Weiß bedeutet hier einen entfcheidenden Schritt vorwärts. Wir glauben, daß die Erbauung Zions und das Werden eines neuen Gemeinfchaftsgefühls auf einem Wege liegen. Gfogau ^Ferdinand Oftertag