Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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\ 250 Kaminsfci, Die jüdische Turnbewegungf DIE JÜDISCHE TURNBEWEGUNG In diefen Tagen blickt der Berliner Bar Kochba, der Stamme verein der Jüdifdien Turnerfchaft, auf ein zwanzigjähriges Beßehen zurück. Mit diefem noch wenig ehrwürdigen Alter ift er einer der älteften jüdifdien Jugendvereine. Außer den ftudentifchen Korpora^ tionen gab es damals keine jüdifchen Jugendvereine in unferem Sinne, vor allem keine auf nationaler Grundlage. Die Gründung des Bar Kochba ift fomit ein-Markfteiii in der Gefchichte der jüdifdien Jugendbewegung und es verlohnt fich, die Entwicklung, die die Ideen von damals genommen haben, und ihre Ausbreitung zu verfolgen. Der erfte jüdifche Turnverein entftand als Antwort auf eine Frage, die der eben ins Leben getretene politifche Zionismus auf^ gerollt hatte, die Frage nach den körperlichen Fähigkeiten der Juden. Damals wurde in weiteren Kreifen erkannt, daß auch die Juden Wefteuropas körperlich unterentwidtelt feien, daß fie noch an dem Erbe eines faft zweitaufendjährigen Ghettos kranken. Man prägte damals das Schlagwort von der »körperlichen Degeneration« der Juden, die mehr oder weniger weit fortgefchrttten fei. Um diefer Verkümmerung in der körperlichen Entwicklung entgegenzuarbeiten, fchritten eine Anzahl junger Akademiker zur Gründung eines jüdifchen Turnvereins, der fich die Pflege der Leibesübungen als Mittel zur Hebung der körperlichen Entwicklung der Juden zum Ziele fetzte. Die Gründer waren konfequent genug, diefes Ziel als eine rein nationale Aufgabe zu erfalfen. Der junge Verein forderte von vornherein von feinen Mitgliedern das Bekenntnis zum Nationaljudentum und die Pflege nationaljüdifcher Gefinnung. Er entwickelte fich dank der fruchtbaren Arbeit feiner Gründer in wenigen Jahren zu ftattlicher Größe. Gleich im erften Jahre wurde eine Zeitfchrift, die »Jüdifche Turnzeitung«, gegründet, die die neuen Ideen verbreiten follte. Als Folge der Propaganda und des Bei^ fpieles entftanden auch an anderen Orten, zunächft in Wien und Köln, jüdifche Turnvereine, denen bald weitere in den größeren jüdifchen Gemeinden Deutfchfands und Öfterreichs folgten. 1911 fchlolfen fich diefe Vereine zu einem Verbände, der »Jüdifchen Turnerfchaft«, zufammen. 1913 zählte die jüdifche Turnerfchaft in 55 Vereinen etwa 10000 Mitglieder in Deutfchland, Öfterreich^ Ungarn/ Bulgarien, der Türkei, und als erften Anfang auch zwei Vereine in Rußland <Lodz und Tomafchow). Darunter befanden fich Vereine, wie der Makkabi in Konftantkiopel, mit 1500 aktiven Mitgliedern, die nach hebräifdiem Kommando ihre Übungen ab^ hielten. In Paläftina beftanden in Jaffa und' in Jerufalem Vereine, die zufammen mit dem Konftantinopler . Verein an der Arbeit waren, ein einwandfreies hebräifches Kommando herauszubilden. Im befreiten Polen find überall neue jüdifche Turnvereine entftanden und heute zählt das befetzte polnifche Gebiet allein etwa 5000