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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 38

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 38)
Language
German
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Ostertag, Bfau^Weiß^Gedankett Zion, brauchten wir dann Paläftina? Wir willen, wir brauchen es. Denn eine Hebraifierung ift im Galuth nicht durchführbar, Wir könnten höchftens ein neues geiftiges Ghetto fchaffen. Und gegen ein iblches fträuben wir uns im Blau-Weiß befonders energifch. Darin lag ja überhaupt die urfprüngliche Bedeutung des Blau-Weiß, als der Paläftinagedanke noch nicht fo ftark in den Vordergrund getreten war, daß er eine gefunde Reaktion gegen das geiftige Ghetto war, in das wir immer wieder zu geraten drohen, Und darin liegt noch heute feine Bedeutung. Gerade die Jugend findet fich in ihm, die einerfeits jene inftinktive Jüdifchkeit in fich fühlt, der das Kirchenjudentum, fowohl das der offiziellen als das der verfchiedenen - unfichtbaren Synagogen, in denen allen etwas von dumpfer Ghettoluft herrfcht, mehr oder weniger unzulänglich* erfcheint, die Jugend, deren Sehnfucht weiter geht und die andererseits ftark jugendlich^weltfreudig, gegenwarts- und zukunftsfroh empfindet und die von einem ßarken Willen befeelt ift, einem Willen, der Einheit fchaffen will zwifchen dem geheimen Raunen der jüdifchen Stimmen in ihrem Inneren und der farbenprächtigen, viel- ^eftaltigen Welt draußen. Diefe beiden Komponenten fchaffen die eigentümliche Blau- Weiß-Atmofphäre, die der Außenßehende je nach feinem Gefichtspunkt (6 vielfach mißverfteht. Der Nationalst wittert im deutfehen Wanderlied, in der Liebe zu deutfeher Landfchaft, ja oft ßhon im fröhlichen Spiel Affimilation. Wer nicht früh, mittags und abends jüdifche Probleme wälzt, erfcheint ihm fchon als ein Verräter an der heiligen Sache des Volkes. Wer vom nur-jugendlichen Standpunkt her kommt, fieht in der Anteilnahme am Leben des jüdifchen Volkes, im Paläftinagedanken der Jugend nicht frommende Politifierung, ein unnatürliches Hineintragen ferner Gedankengänge in die jugendlichen Gemüter. Er fieht nicht die jüdifche Sehnfucht. Auch wir empfinden die beiden Linien noch oft al$ nebenftatt ineinander laufend. Wir willen dann, daß unfer Tun hier nur Stüdewerk fein kann, daß fein eigentlicher Wert darin liegt, Vorbereitung zu fein. Im Paläftinagedanken laufen die beiden Linien zufammen. Aber gerade etwas fehr Pofitives, das uns der Blau-Weiß fchon im Galuth gibt und worin gleichzeitig ein Teil feiner erzieherifchen Bedeutung für Zion liegt, ftammt aus jenem vielfach angefeindeten Ineinanderverfchlungenfein inftinktiver Jüdifchkeit und jugendlicher Weltfreudigkeit, die im Wandern ihren ftärkften und reinften Ausdruck findet. Es entlieht die Wandergemeinfchaft. Und auf ihrem Boden ift die große Blau-Weiß-Gemeinfchaft erwachfen, die dem Einzeinen weit über den Rahmen des Wanderns hinaus immer mehr die Gemeinfcßaft geworden ift. In ihr ift jener ftarke Gemeinfchaftsgeift lebendig, der uns an und für fich fchon ein Stück Judentum ift. In diefer Atmofphäre bringt der Einzelne

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