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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 37

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 37)
Language
German
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Ostertag, Bfau-Weiß^Gedanken 247 zu ihm als zur Spradhe unferer Gebete/ unferer Literatur und man kommt zu ihm als zur Sprache der neuen Siedelung, der Sprache unferer Zukunft. Hebräifch als Sprache unferer Väter und heträifch als Sprache unferer Kinder. Man fagt vielfach, es gäbe überhaupt nur einen Weg, um jüdifch zu werden, und das fei die Hebraifierung. Diefes Dogma glauben wir nicht. Wir lieben das Hebräifche, weil es die Sprache unferer Freiheit und Größe war, und noch viel inniger Heben wif es, weil es die Sprache unferer Freiheit und Größe fein wird. Aber den Glauben, es fei die wunderwirkende Speife, die allein uns erft die Fähigkeit gäbe, mitzufdhaffen an dem neuen Ziop, teilen wir nicht. Gewiß, fie gibt, uns unendlich viel, weit mehr als irgend ein anderer überlieferter jüdifcher Wert. Sie verfchafft uns die tiefften Einblicke in . die Geifteswerkftatt unferes Volkes, ja, wenn irgendetwas, fo ermöglicht fie es uns erft, fo reftlos, wie es überhaupt in unferem Vermögen fteht, zu erkennen, was und wie Juden gedacht und gefühlt haben, aber wohlgemerkt ßaßen. Wiffen wir aber hierdurch fchon, was uns felbft zu tun obliegt? Gibt es bei nodi fo großer Erkenntnis der vergangenen Gefchehniffe und noch fo tiefem Einblick in die Seele anderer und fei es felbft 'des eigenen Volkes irgend ein Ding im Himmel und auf Erden, das uns die letzte Verantwortung abnehmen könnte, uns aus ureigenfter Erfahrung und urperfönlichfter Überlegung zu entfcheiden? Auch nicht die Sprache, die uns der Seele unferes Volkes nahe bringt, wie nichts fonft. Gewiß, die Sprache färbt unfer Denken, aber ift fie deshalb fchon unfer Denken? Das Hebräifche ift eine große Notwendigkeit, aber wollten wir, wie man es von manchen Seiten dringend ver^ langt, unfere Erziehung mit der hierbei notwendigen Hintanfetzung der meiften wefentlichen geiftig^feelifchen Werte auf unfere HebraU fierung konzentrieren, fo würde das den Verzicht oder wenigßens eine ungeheuerliche Einengung der perfönlichen Entwickelung be^ deuten, die durch noch fo große KenntnifTe und noch fo tiefes Erfaflen der Vergangenheit und anderer Menfchenfeelen nie erfetzt werden kann. Die Rolle, die den bedingungslofen Hebraißen für das Hebräilche vorfchwebt, kann, foweit das überhaupt möglich ift, nur Paläftina fpielen. Nur der Paläftinagedanke, fo wie wir im Blau-Weiß zu ihm ftehen: als Anteilnahme am tätigen Wiederaufbau des paläfti^ nenfifchen Lebens, kann uns von jener »Verwirrung« befreien, die tatfächlich zu den Grundübeln gehört. Auch hier beim Hebräilchen fehen wir jene fchon mehrfach bekämpfte Überfchätzung des Intellektuellen und des Vergangenen am Werke. Uns ift Hebräifch vor allem die Sprache unferer Zukunft. Das allein genügt, um es zu 'unferer Aufgabe zu machen. Jedoch reihe es lieh organifch in den großen Umwandelungs^ prozeß ein und man glaube nicht in ihm den Stein der Weifen gefunden zu haben. Gäbe es durch Hebraifieftmg tatfächlich fchon

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