Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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246 Ostertag, Blau^Weiß^Gedanken fuchung, fich in den Gedanken einzulullen, man habe fchon irgend etwas Jüdifches und für das Judentum getan, etwa wenn man rituell gekocht hat, während damit an fidi noch rein garnidits gefchehen ift. Die fadbliche Unberechtigung da, wo man die Form nicht um ihrer felbft willen, fondern aus Hiftorismus pflegt, und die Gefahr romantifcher Tatenlofigkeit fdheint vielen von uns fo groß, daß wir eine bewußte Wiederbelebung der Tradition ablehnen. Etwas anderes ift es mit den Formen, die wir uns kraft eigener Phantafie Ichaffen, wobei wir unwillkürlich an manches Alte anknüpfen, nicht weil es alt ift, fondern weil es in unferer Phantafie lebt. So werden Purimfpiele bereits wohl in allen Bünden aufgeführt/ Wir gehen aber noch weiter und fagen: fo manche an fich nicht hiftorifch^ jüdifche Form ift uns zu einer jüdifchen Form geworden, d. h. fie löft in uns den Grad gefteigerten Lebensgefühls ausf zu dem unfere Vorfahren durch viele ihrer Formen gelangten. So glauben wir das z. B. von dem großen Feuer, dem »Sonnwendfeuer«, fagen zu können, das nun fchon zu jeder größeren Trefffahrt gehört., Nicht etwa das gibt uns ein Recht, diefer an fich gewiß »unjüdifchen« Form einen jüdifchen Wert beizumelfen, daß man bei diefen Feuern faft nur noch jüdifche und hebräifche Lieder fingt und die Horra tanzt —- das wirkt vielmehr abftoßend, fowie es nach Mache fchmeckt fondern umgekehrt, gerade daß diefe »unjüdifche« Form vielfach einen feelifchen Zuftand fchafft, der irgendwie einen markant jüdifchen Ausdruck fucht und diefen dann im jüdifchen Lied findet, fpricht dafür, daß diefe Form in dem Sinne jüdifch^erzieherifch wirkt, wie die Verfechter der Formen es von diefen behaupten. Diefe Formen treten aber nie mit dem bedingungslofe Anerkennung heifchenden Anfpruch der alten Tradition auf und werden deshalb nie fo leicht zur Un Wahrhaftigkeit führen,« aber auch fie können dazu verleiten, im Lebensftil fchon das Leben zu fehen. Trotzdem haben wir auf diefe Formen einen Anfpruch, weil wir ein natürliches Recht auf die Auswirkung unferer Phantafie haben. Jedoch liegt auch hierin eine Begrenzung,- da man nur da von Formen in diefem Sinne fprechen kann, wo wirklich ein Geftaltungswille zu finnbildlichen Handlungen drängt. Wo das auch bei den Formen der Tradition der Fall ift, können natürlich auch die alten Formen diefe Rolle fpielen, doch fei man fich darüber klar, daß es fich bei der jungen Generation hier nur um Ausnahmefälle handelt. Auch hier wird im allgemeinen der den Blidt rückwärts ftatt vor* wärts lenkende Traditionalismus eine viel größere Rolle als das natürliche Bedürfnis fpielen uud das viel häufiger, als man es fich bei größter Ehrlichkeit felbft zugefteht. Ähnlich ßehen wir zum Hebräifchen. Man lernt bei uns und man lernt ganz ernfthaft. Das fei von vornherein gefagt, aber man kann auch darin nicht das Allheilmittel erblicken. Ein folches gibt es überhaupt nicht. Man kommt zum Hebräifchen auf verfchiedene Weife,- man kommt