Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Östertag, BIäu~Weift-Gedankens kommt fonß ein jüdifch intereffierter junger Menfch dazu, fich etwa: mit Dorfanlagen oder Viehzucht zu befchäftigen? Höchßens fo* zufällig nebenbei. Wer aber Paläfiina um eines neuen ganzen; Lebens willen erßrebt, kann an den härteßen Realitäten nicht achtlos vorübergehen, mehr noch, er wird zu einer inneren Anteilnahme: an taufenderlei realen Dingen gelangen, die er früher überhaupt kaum fah. Er wird fehender, er wird fogar diefe Realitäten nicht mehr als fo hart empfinden,- im Gegenteil, allmählich wird ihm aus ihrer Härte Kraft entgegenßrömen, er wächß, er überwindet diekonfiruktive Geißigkeit, die ihn beherrfchte, und er fchaut eine neueherrlichere und wahrhaftigere Welt. Kurz zufammengefaßt fei noch einmal gefagt; Die erzieherifche. Bedeutung des Paläfiinagedankens liegt vor allem darin, daß er uns zwingt, mit dem Ziel praktischer Verwirklichung auf ein das Lebens^ Arbeit erfi Syßem gibt-. Allmählich kommt Ordnung in .das Welt^ chaos, finnvoll reiht fich Glied an Glied in der großen Kette, Nahesrückt ferner und Entlegenes wird bedeutungsvoll, nichts aber iß tot. Hierher gehört auch Folgendes. Wenn wir nicht fchon auf anderem Wege dahin kommen, fo beßimmt durch den Pafäfiina^ gedanken : den Begriff' des Jüdifchen nicht zu verengen. Ähnlich wie die Affimilation nur die religiös-fynagogale Seite des Judentums als das Judentum gelten lalfen will, fo neigt man in mancher*, nationafjüdifchen Jugendkreifen dazu, beßimmte Befonderheiten, die: man bei der Auswirkung fittlicher Handlungen zu fehen glaubt,, als das Judentum oder als das Wefentliche des Judentums anzufeherc <etwa wie Achad Haam von einer jüdifchen Gereditigkeit fpricht),. oder man meint das Judentum in beßimmten feelifchen Funktionen, erfaffen zu können <fo wie man die drei Tendenzen aus Bubers Drei Reden meifiens auffaßt). Uns Icheinen derartige Fefilegungertzu eng gefaßt. Den Blick auf Zion gerichtet, wird uns das Judentum aus¬ Gedächtnis immer mehr Wiffe, aus Erinnerung Zukunft, und jede Fefilegung wird uns zur Feflel. Die jüdifch^ideenhaft Orientierten fuchen die Steine für den Neubau unferer Welt mehr in der Ver^ gangenheit. Das iß ihr Irrtum. Da keine objektive gefchichtlidbe: Erkenntnis möglich iß, ifi auch jeder Verfuch, Gefetze des gefihicht* liehen Lebens herauszudeßillieren, die man als Richtfchniir nehmenkönnte, fo wie man Naturgefetze erkennt, zum Scheitern verurteilt.- Wird er doch gemacht, fo kommt man leicht zu Fehlfchlplfen, die dann unfer Handeln mitbefiimmen und in die Irre leiten. Wirkenderartige Fehlfchlülfe trotzdem fchöpferifch, fo entfpringt dies nicht ihrer angenommenen Richtigkeit — wie ja richtig und fchöpferifch* noch lange nicht in einem Kaufalitätsverhältnis ßehen, — fondern ihr Wert liegt in dem in ihnen zum Ausdruck kommenden Zukunfts-- willen. Man verfieht Gefchichte ja nur als den eigenen Weg, man: fieht deshalb den eigenen Willen in die Vergangenheit hinein,. ganze und indem er diefer