Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Ostertag, Blau^Weiß^Gedanken 243 jtiden feien in einer besonderen Lage, die uns ein folches unmittelbares Stellungnehmen zu den Dingen nidit geßatte, dem jungen Juden des Weltens muffe feiri Judentum überhaupt erß einmal ßark ins Bewußtfein eingehämmert werden, iß entgegenzuhalten, daß wir, die wir den Weg zu unferem Volke wieder gefunden haben und in einer jüdifchen Gemeinfchaft wie dem Blau*Weiß ßehen, diefe Gemeinfchaft bei den Jüngßen beginnend allen Schwankenden ver* mittein muffen. Das iß der befie Weg, um ihnen das bindende Erlebnis zu verfchaffen. Daß im Bläu*Weiß gerade der Gemein* fchaftscharakter fo wefentlidi iß, macht feine Werbe* und Umgefial* tungskraft aus. Hat fo die Gemeinfchaft der in ihrlm Volke Ver* wurzelten einfach durch ihr Dafein und die in ihr fich auswirkenden menfchlichen Werte die Suchenden erß einmal, zu ihrem Volke gebracht, dann iß es der Paläfiinagedanke, der diefes Verhältnis ver* tieft. Im Blau*Weiß hat man das klar erkannt, und wenn wir auf der einen Seite eine Erziehung zu freiem aufrechten fchaffenden Menfchentum wollen, fo haben wir auf der anderen Seite den Paläßinagedanken als den Stoff, auf den gerichtet das Menfchentum erß zu einer organifchen Entwidmung gelangt. Jenes fogenanhte Nationaljudentum, das vor dem Paläßinagedanken zurückfcheut, muffen wir gänzlich ablehnen. Im Blau*Weiß iß es deshalb im Gegenfatz dazu fo, daß ohne die Frage: Iß das jüdifch? alle Dinge doch ihre letzte Bedeutung dadurch erhalten, daß fie in den Wiederaufbau unferes Volkstums in Paläßina hineingehören. Befchränkt man fich innerhalb der natio* nalen Jugendgruppen wefentlidi auf die jüdifchen Dinge im engeren Sinne, fo bleibt zwifchen diefen und der übrigen Welt eine vom Einzelnen fchwer überbrüdtbare Kluft, während der Wert einer Erziehung, die zum Judentum will, erß da beginnt, wo fie in alle Veräßelungen des Lebens dringt. Die Folge folcher Methode iß meiß, daß die im engeren Sinne jüdifchen Dinge in einem Schubfach des Gehirns mehr oder minder wohlgeordnet lagern, bei Bedarf wird das Schubfach aufgezogen, der junge Menfch lebt aber fein Leben der Verwirrung unberührt von den Inhalten des Schubfachs weiter. Werden umgekehrt die allgemein*menfchlichen Werte in einer jüdifchen' Jugendgemeinfchaft in einfacher Übernahme aus dem deutfchen Kultur* leben gepflegt, fo kommt es auch hier nicht zu der notwendigen Befreiung aus der Verwirrung. Das vermag tatfächlich nur der Paläßinagedanke. Durch ihn werden außerdem Dinge in den Kreis der Betrachtung gezogen, zu denen eine andere Erziehung zum Judentum nie oder wenigßens nicht notwendigerweife gelangt. Denn es handelt fich hierbei um nichts geringeres als die Gefamtheit des natürlichen*und geißigen Lebens, die durch den Paläßinagedanken ein neues Ausfehen gewinnt. Und wenn auch der Einzelne diefem gewaltigen Um* denkungsprozeß nicht gewachfen iß, fo wird diefes Umdenken doch da ßets einfetzen, wo überhaupt Stellung genommen wird. Wie