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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 32

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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242 Ostertag, Blau^Weiß^Gedanken Ding an feinen Platz zu (teilen, das Wef entliche vom Blendwerk zu trennen und zu jenem plaftifchen Schauen zu gelangen, das Hohes von Tiefem, Nahes von Fernem, Notwendiges von Überflüffigem zu unterfcheiden vermag. Diefe Notwendigkeit, die geradezu einer der Grundpfeiler unfer Erziehung fein muß, wenn anders wir nicht in einer felblt> genügfamen, fich im Kreife drehenden Geißigkeit ßecken bleiben wollen, wird gerade in manchen Kreifen der nationaUjüdifchen Jugend arg vernachläffigt. Jede Erziehung von Juden, die in der Wieder^ erweckung des jüdifchen Bewußtfeins und in der Wiederbelebung deflen, was man fich unter der jüdifchen Ideenwelt fehr willkürlich vorßellt, ftedten bleibt, erfchöpft fich fehr bald in der rein gedankt liehen Ausreifung einzelner Ideen. Wenn man immer und immer wieder mit diefer bewußten Einfeitigkeit, die man fälfehlicherweife als fein Judentum proklamiert, an die Dinge herangeht, ßatt unter möglichßer Ausfchaltung einer von vornherein bewußt feßgelegten Stellungnahme fich bedingungslos an Gegenßand und Aufgabe hinzugeben, verengt man fich nicht nur kläglich fein Gefichtsfeld, fo wie man es bereits glücklich fertiggebracht hat, fein Judentum auf einige dürre armfelige Formeln zu reduzieren, fondern mehr noch : man fchafft weder jene menfchlicfie Erhöhung, die das Ziel aller Erziehung fein muß, noch bereitet man dadurch unfere Menfchen für unfere große Aufgabe vor. Aus diefem Grunde müflen wir das ablehnen, was man in einem befonderen Sinne jüdifche Erziehung nennt. Es gibt keine jüdifche und deutfehe oder tibetanifche Erziehung, wie es nicht mehrerlei Wahrheit und Gerechtigkeit gibt. Die. Unterfchiede, die aus der Verfchiedenheit der Völker refultieren, zu betonen, fie zu Gefichtspunkten oder gar Zielen der Erziehung zu machen, heißt den Weg zu fruchtbarem Menfchentum verfperren. Jüdifche Erziehung iß unmöglich, da man günfiigßenfalls fefißellen kann und auch das iß noch fehr zweifelhaft —was jüdifch oder deutfdi oder tibetanifch war, nie aber, was es ift, und am allerwenigßen, was es fein foff, alle Erziehung aber ein Bereiten der Zukunft fein will.. Auch der Verfuch fchon iß unfruchtbar. Denn es heißt zwifchen fich und die Welt, zwifchen Subjekt und Objekt, ein Drittes fchieben, dem keinerlei Wirklichkeit beizumeffen iß, das gewifferrnaßen ein zweites, blutlos gewordenes, abgeblaßtes Ich iß und das jeder un^ mittelbaren Erkenntnis und Bearbeitung der Dinge hindernd im Wege iß. Wer das, was man mehr oder minder falfch für feine nationale Befonderheit hält, zu einem Erziehungsprinzip macht, fetzt der Jugend eine Brille auf, durch die fie alles verzerrt fieht, und dementfprechend wird ihr Handeln fein. Oder man könnte fie auch einem Manne vergleichen, der fich immer fo ßellt, daß fein Schatten auf die Gegenfiände feiner Betrachtung fällt, Organifch reihe fich der jüdilche Wifiensftoff dem Gefamtmofaik ein, aber man verbilde nicht fein Wefen. Dem hier zu erwartenden Einwand, wir West*

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