Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Qstertag, Blau^Wetß^Gedanken 241 wendigkeiten geftalteten Lebens und gefühltes Einsfein mit unferem Volke. Was ift die Folge? Ohne das Bekenntnis zu einem Pro* ':gramm voranzuftellen, fondern lediglich das perfönliche Erlebnis zum Ausgangspunkt nehmend, nicht um unfer felbft, fondern um der Sache willen, halten wir Umfchau, wo unfere Sehnfudht ihre Erfüllung finden kann. Und nüchtern fachliche Erwägung allein würde /dann fdion genügen, um Palältina zu unferem Ziel zu machen. Linter dem Paiäftinagedanken wird das ganze Leben zur Kritik geftellt, erfcheint es von Grund auf erneuerungsbedürftig. Wir wollen Paläftina, nicht fo fehr als Vaterland, fondern als Kinderland. * - Und fo hat auch die neuefte Entwickelung im Blau^Weiß zu *einer Bewegung in diefer Richtung geführt. Schon zeigt fich die eminente erzieherifche Bedeutung diefer ganz allgemeinen, aber an ein beßimmtes Konkrete, zu Verwirklichendes gebundenen Zielsetzung. Während jede Jugendbewegung, die nur die nach Erneue* rung drängende Grundßimmung kennt, fich einfeitig in der Revolutionierung einzelner Lebensgebiete unter verftändnislofer Hintanfetzung •der anderen zu verlieren droht, befteht diefe Gefahr da nicht mehr, wo der Neuaufbau eines ganzen Volkslebens zur Aufgabe gefetzt wird. Hier muß die Aufgabe pofitiv präzisiert werden, und zwar -muß das — und das ift das Wefentliche — im großen allgemeinen- .Zufammenhange gefchehen. Während Gemeinlchaften, die von einer cinfeitigen Idee her orientiert find, diefe überfchätzeri und überfteigern, bewahrt urts der Paläftinagedanke vor diefer Gefahr. Unfer Wille iß notwendigerweife auf das Ganze des Lebens gerichtet. Einfeitige Überfchätzung eines einzelnen Gedankenkreifes wird innerhalb der GemeinTchaft kritifch erfaßt, während bei Gemeinfchaften der anderen Art die Kritik der einen leitenden Idee von außerhalb her einfetzt ,und als von außen kommend deshalb meift fchon gar nicht verftanden wird. Die Bindung der alfgemeinen Ideale an eine beftimmte ebenfo praktifche wie geiftige Aufgabe hat aber vor allem eine hohe er* :zieherifche Bedeutung.; indem fie Stetigkeit und Einheitlichkeit in <!as Denken und Handeln des Einzelnen hineinträgt. -* Während der junge Menfch, dem eine konkrete Verwirklichung, wie fie der Paläftinagedanke fodert, nicht gefetzt ift, fehr leicht in Allgemein* heiten ftecken bleibt und n der dünnen Luft der Ideen fchwebend <len harten Boden der Wirklichkeit nicht erreicht, oder wenn er (ich einem beftimmten Arbeitsfeld zuwendet, etwa dem Sozialismus, fehr leicht in jenen Fehler unorganifcher Einfeitigkeit verfällt, fo wird der Blau-Weiße, deffen Blick auf Paläftina gerichtet ift, vor diefem Fehler bewahrt bleiben. Denn jede Qberbetonung eines Komplexes muß notwendigerwefe die Zurückdrängung eines anderen zur Folge haben, eines anderen, der aber auch zur Ganzheit des neuzufchaffenden Lebens gehört. Demzufolge befteht die Notwendigkeit, alle fchwär* jmerifche Ideologie abzutun und mit Klarheit und Sachlichkeit jedes