Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Ostertctg, Blau^Weiß^Gedanken Trotzdem ift noch fo vieles im Werden, daß die Hervorhebung; des perfönlichen Charakters der folgenden Gedanken notwendig ift,. wenngleich es auch fcheint, daß der Blau*Weiß (ich im Großem und Ganzen in dem hier dargelegten Sinne entwickelt. Der Wert einer derartigen Darftellung ift aber auch noch des* halb zweifelhaft, weil fie von den Außenftehenden mit Sicherheit mißverftanden wird, Denn merkwürdigerweife, aber man kann auch hier bereits fagen bezeichnenderweife, fpricht jemand, der zu einem engeren Kreife gehört, fo fehr er fich auch um Klarheit und Allgemein* verftändlichkeit bemüht, eine Sprache, die nur in feinem Kreife ganz verftanden wird. Es fcheint geradezu zum Wefen einer Bewegung zu gehören, daß fich in ihr eine eigene Sprache bildet, daß fich un*- willkürlich mit Worten, die tiefere Zufammenhänge bezeichnen, neue BegrifFsfchattierungen verbinden, fodaß man mit Außenftehenden aneinander vorbeiredet. Schlimm wird die Sache dann, wenn ais- Fölge der erfahrungsmäßigen Erkenntnis diefer Sprachverwirrung; diefe gefucht wird und man fich einredet, man »bewege« fich, wenn man fich efoterifch gebärdet, eine Entgieifung, zu der auch jn Kreifen . der nationaljüdifchen Jugend vereinzelt Neigung befteht und der wir mit der Forderung ftrengfter Sachlichkeit entgegentreten muffen. Wenn wir hier trotzdem über den Blau-Weiß fchreiben, fo gefchieht es in dem Bewußtfein, daß diefe Zeilen außer von den ewig Mißverftehenden vielleicht auch von manchem gelefen werden, der dann erkennt, daß hier von einer Sache die Rede ift, zu der er eigentlich ßhon gehört. Im Grunde genommen läuft ja alle Erkennt* nis darauf hinaus, nur. dasjenige zu erfalfen, auf das wir fchon irgend* wie vorbereitet find, das fich unferem Erlebnisvermögen organifch. einverleibt. Denen alfo, die auf uns vorbereitet find, fei gefagt: fo fehr wir uns frei von Programm und Dogma halten wollen und fo inten* fiv wir uns um fachliches Urteil und fachliche Wertung bemühen, fo fehr fehen wir uns die Menfchen, die zu uns kommen, auf ihre innerliche, mehr ftimmungsmäßige Zugehörigkeit zu uns an und machen bei ihnen unferen Einfluß in diefem Sinne geltend. Das wird oft überfehen, befonders natürlich von denen, deren Natur einfeitig auf Dogmatifches eingeftellt ift. In diefem Zufammenhänge. wird man vielleicht endlich auch: einmal unfere Stellung zum Zionismus richtig erfalfen. Vielleicht wird es jetzt klar, wiefo wir keine zioniftifche Gruppe i n Sinne der meiften anderen nationaljüdifchen Jugendorganifationen find. — Und trotzdem wird der Paläftinagedanke immer mehr der Konzentrations* punkt der Blau*Weiß*Erziehung. Wie ift diefer fcheinbare Wider* fprüch zu erklären? Nun eben aus unferem-Verhältnis von Grund* ftimmung und Programmlofigkeit, das man foviel pißverfteht. Unfere Stimmung ift — wir find uns bei diefer Formulierung der Armfeligkeit aller folcher Verfuche bewußt — etwa .mit der*. Worten auszudrücken : Forderung eines nach den innerften Not*^