Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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\ 238 Hofcfßehn, Das K..J.V. Geißer in den mannigfachen Fragen der zioniftifchen Betrachtungs^ form. Gäbe es in diefer Hinficht eine Einheitlichkeit einer heute fchön zwölfhundertköpfigen Gemeinfchaft, fo würde dies einem Todesurteil gleichkommen. Es wäre ein Zeichen, daß wir in einer gerftigen Erftarrung dahinvegetieren. Nicht nur im inneren Leben des Kartells fpielen fich die geiftigen Kämpfe ab, auch nach außen treten wir im zioniftifchen Leben nicht als eine gefchloflene Gruppe auf. Ein jeder hat das Recht und fogar die moralifche Pflicht, auf zioniftifchen Tagungen oder im Verkehr mit anderen Zioniften feine Überzeugung zu ver^ treten, auch wenn fie von der Mehrheit feiner Bundesbrüder er^ heblich abweicht. Es wäre ein Wahnfinn, wollten alle K. J. V. er z, B. auf einen Delegiertentag oder eine nationaljüdifche Ausfchußfitzung mit gebundener Marfchroute kommen und eine in Wahrheit nicht beftehende Einheitlichkeit nach außen zur Schau tragen. Es verriete eine ans Groteske grenzende Verantwortungslofigkeit, wollte das K. J. V. bei Wahlen in zioniftifche Körperfchaften blöden Korpsgeift walten laflfen und feine Leute durchzubringen fuchen. In der Arbeit für unfere nationale Sache willen wir uns eins mit allen Zioniften, ganz gleich welcher Gruppe fie angehören. Wir werten fie nicht nach ihrer Organifationszugehörigkeit, fondern nach ihren zionifiifchen Qualifikationen. Dies ift fo felbftverftändlich, muß aber dennoch mit Entfchiedenheit betont werden, denn wir willen, daß es Außenftehende gibt, die im K. J. V. eine Art Geheimbund erblicken, der nach der Macht im deutfchen Zionismus ftrebt. Nicht nur als eine Notwendigkeit, fondern als den Ausdruck unferer inneren Stärke fehen wir es an, daß jede zioniftifche Anfchauung bei uns ver^ treten und fomit wahrhaft geiftiges Leben und geiftige Freiheit garan^ tiert ift. Je größer das K.}. V. wird, umfo bunter und vielfältiger wird es bei uns werden, umfo fruchtbarer wird fich unfere Ge^ meinfchaftsarbeit geftalten. Die Bundesbrüderlichkeit des K. }. V. ift nicht gleichzufetzen einem innerpolitifchen Gefinnungskreife. Sie iß weit mehr als das. Sie ift das Bewußtfein der Verbundenheit in einer großen, ftraff organifierten Gemeinfchaft, die in Liebe all ihre Glieder umfaßt, aber mit Strenge wacht, daß niemand fich feinen Pflichten gegen die jüdifche Sache entzieht und fomit die Bundestreue verletzt. Sie ift das Gefühl der gemeinfamen Verantwortlichkeit vor dem Gewiflen des Bundes. Wir willen, daß diefer Gemeinfchaftsgeift trotz aller fachlichen Gegenfätze ein gefchloflenes K. J. V. verbürgt. Diefe Einheitlichkeit gilt es zu wahren und immer aufs neue zu fchaffen. Berfin Dr. Gerßarcf Hofcfßeim