Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Hofdheim, Das K.J. V. 237 gefallen, durch ihren erfreulich ungeßümen Geiß Schrittmacher der neuen Entwidmung zu werden und der auch bei den Älteren herrfchenden Stimmung Rückhalt zu verleihen. Daß die grundfätzliche Erörterung eines angeblichen Problems K. J. V.— Blau^Weiß zum Abfdhluß gekommen iß, iß ein Beweis dafür, daß man bei uns faß allgemein einfehen gelernt hat, daß die K. J. V.~Frage iß. Man weiß heute, daß über diejenigen, die fidi in konfervativfier Engherzigkeit den Forderungen einer neuen Zeit verfchließen, die Entwicklung hinweggehen wird. Das K. J. V. muß Träger der Jugendbewegung fein. Ein Abfdiluß von unserer Jugend würde den geifiigen Tod unferer Gemeinfchaft bedeuten, und nur eine Einordnung des K. J. V. in die nationale Jugendbewegung kann uns die innere Stärke und die Stoßkraft verschaffen, deren wir bedürfen. Wie wir den Blau-*Weiß als eine völlig gleichgerichtete, nur eben einer jüngeren Jugend angepaßte Ge^ meinfchaftsform betrachten müflen, fo wird auch der Blau^Weiße erkennen, daß ihn innerlich nichts von uns trennt. Das K. J. V. muß ihm als die höhere Stufe der Gemeinfchaft erfcheinen, auf der an die Stelle eines unbeßimmten Suchens und fchwärmerifchen Sehnens der Entwicklungsjahre der gedanklich geklärte Wille und die nationale Leißung des Mannes tritt. Die jüdische Heimat, die er in feiner Jugend im Blau-Weiß gefunden hat, wird ihm im fpäteren Alter das K. J. V. fein. Das iß der tieffie Sinn unferer Gemeinfchaft, daß fie uns Heimat bedeutet, den ruhenden Pol in der Erfcheinungen Flucht, unfer Zion im Golus. Wir fühlen uns daheim, weil wir uns mit Menfchen vereint wiflen, die von der gleichen Sehnfucht, von gleichem Geiß leidenfchaftlicher KampfentfchloITenheit, unbedingteßer Hingabe erfüllt find. Wir kennen diefe Menfchen, die wir Bundesbrüder nennen, zu einem großen Teile nicht, dazu iß unfer Bund zu groß. Aber wir fühlen uns auch dem Unbekannten verbunden, weil wir in ihm den Mitkämpfer willen ,• auch denen, deren innerzionifiifche Anfchauungen wir bekämpfen. Daß es fachliche Gegnerfchaften unter uns geben kann und geradezu geben muß, iß felbfiverßändlich. Nichts wäre verkehrter als die Auffaflung, daß leidenfchaftlich geführte Kämpfe nicht mit dem Begriff der Bundesbrüderlichkeit zu vereinen find. Diefe er*, fordert nur, daß jeder fachliche Kampf mit anßändigen Mitteln und unter Wahrung anfiändiger Formen geführt wird und ßets das Bewußtfein vorhanden fein muß, daß der Gegner der gleichen Sache dient und von der Wahrheit feiner Anfchauung überzeugt iß. So notwendig jede geißige Auseinanderfetzung eine zionißifche Grundlage haben muß, ein jeder sub'specie judaica an jede Frage heranzutreten hat, fo wenig verlangen wir eine Uniformierung oer Frage der inneren Neuorientierung fondern eine VII