Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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236 HoCdfoim, Das K. J. V. Lebensftil in vielem vom bisherigen K.J, V. divergiert. Während nun allen Äußerungen zu diefer Frage gemeinfam die Befürchtung war, der Blau*Weiß*Nachwuchs könnte durch die radikale Ab* lehnung des K. J. V. feitens einer Reihe älterer Blau*Weißer uns überhaupt verloren gehen, betonten die einen, eine jede Affimilation an den Blau*Weiß fei für das K. J. V. eine indiskutable Ange* legenheit, die andern, es fei notwendig, bei aller Wahrung der korporativen Gefchloffenheit und der Grundprinzipien den be* rechtigten Forderungen des Blau*Weiß Rechnung zu tragen. Die Diskuffion ift feit einiger Zeit verftummt. Faft alle Blau*Weißen, die die Univerfität bezogen, find inzwifchen K. J. V. er geworden, und ihr Eintritt hat keine Revolution hervorgerufen. Durch die nähere Berührung mit dem K. J. V. haben fie begreifen gelernt, was das K. J. V. bedeutet und wie irrig ihre frühere Betrachtungsweife unferer Gemeinfchaft war. Sie freuen fich, nachdem fie durch die Kriegsverhältniffe gezwungen gewefen waren, als Führer trotz ihrer Jugend andere leiten zu mülfen, einmal Lernende fein zu können, und fie haben erkannt, was alles das K.}. V. ihnen noch zu geben hat. Wie viele Außenftehende, haben audi fie die ftudentifchen Formen als dem K. }. V. immanente Eigentümlichkeiten betrachtet und fein wahres Geficht verkannt. Ihr radikaler Stand* punkt in der Frage der Gemein fchaftsformen kann fie indes umfo weniger hindern, fich dem K. J. V. verbunden zu fühlen, als fie genau willen, daß fie mit ihren Anfchauungen nicht vereinzelt da- Itehen, fondern faft die ganze junge Generation und viele Ältere wenn auch nicht in allen Einzelforderungen, fo doch in der Grundrichtung mif ihnen einig find. Es ift indes eine völlige Verkennung der Entwicklung, wenn man annimmt, daß die im K. J. V. zur Zeit herrfchende Stimmung für eine gründliche Revifion unferer Gemeinfchaftsformen durch die Blau*Weißen inauguriert fei, daß es fich um ein von außen an uns herangetretenes Problem handele. An früherer Stelle ift be* reits dargelegt worden, daß unfere Erlebniffe in der Oßjudenfrage und die Verlebendigung des Paläftinägedankens die Veränderung unferer Stellungnahme zu den deutfchen Studentenformen bewirkt haben und naturgemäß bewirken mußten. Auch wenn es einen Blau*Weiß noch nicht gegeben hätte, wäre diefer Fragenkomplex 'bei uns Gegenftand einer lebhaften Diskuffion geworden, da er einer inneren Situation fein Entftehen verdankt. Die Exiftenz des Blau* Weiß konnte nur zurBefchleunigung einer natürlichen Entwicklung beitragen. Diefer erften jüdifchen Jugend, der das Theoretifieren über Judentum und Deutfchtum, über Erhaltung und Untergang erfpart bleiben konnte, weil fie bereits in den Knabenjahren in der Gemein* (dtaft ihr Judentum erlebte und ihre menfchliche Erhöhung in der hingebungsvollen Liebe zu ihrem Volke fand, diefer Jugend, die fidi unbefdiwert fühlte von der Tradition, an der die meiften von uns Älteren zu tragen haben, war nur die hiftorifche Aufgabe zu*