Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2827066-2827067-2827072--0254-2827354
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Hotdßeim, Das K. J. V, 235 zioniftifchen Entwicklung. Sie achten, fie noch, weil in ihnen ihre Verbindung lebte, der fie die Heimkehr zu ihrem Judentum und die Erziehung zu männlicher Kämpfen tfchloffenheit verdanken. Die jüngfte Jugend, die an diefer Tradition nicht zu tragen hat, die lieh in ihrer Mehrzahl nicht unter fo fchweren Kämpfen ihren Zionis* mus zu erringen brauchte und die Ergebnifle einer langen Entwicklung als Axiome aufnehmen kann, lehnt außer dem aus äußeren Gründen notwendigen ftudentifchen Rahmen alles ftudentifche Bei* werk ab. Ihr, die auf Paläftina in einem Maße eingeftellt ift, wie es die Vorkriegsgenerationen aus erklärlichen Gründen nidit fein konnten, muß notwendigerwreife das Verftändnis dafür fehlen, wie eine Gemeinfchaft mit unferen Zielen Formen aufnehmen kann, die, ohne daß es beabfichtigt wird, ein akademifches Standesbewußt* fein erzeugen müflen und in ihrer fpezififch deutfehen Romantik unferem innerften Wefen widerfprechen. Schonungsloser als den Älteren, denen der Zionismus ausfchließlich das willensmäßige Bekenntnis zum nationalen Judentum bedeutete, enthüllt fich diefer neuen Jugend der Urfprung aus einer fremden, uns feindlichen Welt. Diefe Fragen einer Neuorientierung unferes Gemeinfchaftslebens im einzelnen zu regeln, bleibt der Friedenszeit vorbehalten. Es fei betont, daß es unter uns nicht nur Freunde, fondern auch Gegner einer radikalen Umgeftaltung gibt. Einigkeit dürfte aber darüber herrfchen, daß die Beantwortung diefer Fragen niemals von perfönlicher Liebhaberei abhängig gemacht werden darf, fondern einzig und allein unter dem Gefichtspunkte der zioniftifchen Erziehung erfolgen kann. Von jeher war dies der Standpunkt des Kartells. Keine Form haben wir uns um ihrer felbft willen zu eigen gemacht. Wir haben niemals die Begriffe des Korporativen und des Studentifchen identifiziert/ und oft kam man grade aus korporativen Gründen zur Ablehnung einer ftudentifchen Form. Unfere Formen werden im Laufe der Entwicklung noch oft wechfeln,- fie find keine Ele* mente von bleibendem Wert. Mit der korporativen Grundform jedoch ßeht und fällt das K. J. V. Nur dadurch, daß jeder fich der Gefamtheit unterordnet, in dem andern Bundesbruder den Mit* kämpfer fieht und fich ihm bei aller fachlichen Gegnerfchaft durch das eigengeartete Band der Bundesbrüderfchaft verbunden fühlt, fcheint uns die Möglichkeit eines geordneten, wahrhaft nationalen Zufammenlebens gegeben zu fein. VI In diefem Zufammenhange fei es mir geftattet, mit wenigen Worten auf das Verhältnis des K. J. V. zum Blau-Weiß einzugehen. In den letzten Jahren hat fich im K. J. V. eine lebhafte Dis* küffion über eine fogenannte Blau*Weiß-Frage entfponnen, Män ging davon aus, daß fich durch die von den Gründern nicht ge* ahnte ftarke innere Konfolidierung des Blau*Weiß £in eigener Blau*Weiß-Typus entwickelt habe, der in Lebensformen und im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.