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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 24

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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234 Hofdßeim, Das K. J. V. Often ein ßarkes ungebrochenes Judentum lebt, im eigenen Volkse tum wurzelnd und voll leidenschaftlicher Zukunftshoffnung, und es wurde uns zur erfchreckenden Gewißheit, wie völlig abftrakt und inhaltslos unfer Nationalismus iß und wie fehr fi<h unfere der Affimilation entflammenden Anfchauungen und Lebensformen der Herfiellung innerlicher Beziehungen zu den öfilichen Brüdern als hinderlich erweifen. Die Erkenntnis, daß wir im Zionismus zu einer fplendid ifolation verurteilt wären, wenn fich der Zufiand der geifiigen Trennung vom Ofijudentum nicht überwinden ließe, daß eine nicht nur gedankliche, fondern auch tatfächliche Einreihung in die große nach Paläfiina tendierende jüdifche Bewegung Lebens^ notwendigkeir für uns fei, bewirkte es, daß wir die Frage einer durchgreifenden Neugefialtung unferes Korporationslebens mit einer Brnfthaftigkeit, einer inneren Überzeugung erörterten , wie nie zuvor. Schon vor dem Kriege bereits hatten viele unter uns das Gefühl, daß nicht alle Formen unferes Gemeinfchaftslebens für die Erreichung unferes Erziehungszieles befonders geeignet waren. Wir fianden auch da fchon in der Entwicklung, die die zionifiifche Be* wegung unter öfilichem Einfluß genommen hatte, und hatten erkannt, daß es mit dem formalen Bekenntnis zum Nationalismus nicht getan fei, fondern daß wir um feine materielle Fundierung, feine Durchdringung mit jüdifchem Inhalte bemüht fein mülfen. Aber die Entwicklung hatte erfi ihren Anfang genommen, man hatte wohl theoretifch begriffen, die Neigung zu jüdifcher Intenfivierung war jedoch noch recht platonifch. Erfi die unmittelbare Berührung mit dem Oßen, die lebendige Anfchauung hat den entfcheidenden Anfioß gegeben und in uns das wirkliche Verlangen nach gelebtem Judentum hervorgerufen. Es leuchtet ein, daß mit diefer Wandlung von theoretifcher Forderung zu innerfiem Erleben die Oppofition gegen die deutfch^ fiudentifchen Formen elementar anwachfen mußte. Sie mußte es in umfo ftärkerem Maße, als durch die begründeten Realifierungshoffnungen die Paläftinaftimmung mit ungeahnter Intenfität die Herzen ergriff. Heute ift Paläfiina nicht mehr ein geographifcher Begriff, das ferne Land, das wir um unferer Sehnfucht Willen fchwärmerifch, aber doch fo unkörperlich, liebten. Durch die Er^ eignilfe des Krieges, der das Land zum Kampfplatz der Mächtegruppen hat werden lalfen, durch die qualvolle Sorge um die Erhaltung unferes mühfam errungenen köfilichen Befitzes, das Mitleiden mit unferen fchwerbedrängten Brüdern, ift uns Pa^ läfiina in greifbarfte Nähe gerückt. Wir fühlen uns ihm im Geifte nahe, unser Leben mit dem Lande eng verknüpft, und die Formen unferer Umwelt werden uns immer fremder. Viele Ältere unter uns empfinden es weniger,- ihnen find fo manche ftudentifihe Dinge noch liebe Erinnerungen an belfere Zeiten, an die fröhlichen Tage jugendlicher Ungebundenheit und die heilig fiillen Stunden ihrer

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