Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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\ HofMeim, Das K, J. V. 233 bunden, nur feiten die Verbindungsveranftaltungen befucht und da* durch den perfönlichen Kontakt mit den jüngeren Generationen ver* liert, fühlen fie fich doch in allen großen Fragen des Kartells inner* lieh beteiligt und gelangen nur in den feltenften Fällen in das Alter der Verftändnislofigkeit. Ein erheblicher Teil der Alten Herren aber fteht mitten im Leben der Aktiven und lebt mit ihnen. So ift es zu begreifen, daß ein wirklicher Gegenfatz zwifchen Alt und Jung eigentlich nie bei uns entftehen kann. Dadurch daß die Älteren ftändig mit den Jüngften zufammenleben, daß fie deren Freuden und Sorgen teilen, weil es zugleich die ihren find; daß fie fie nicht nur lehren, fondern auch von ihnen zu lernen bereit find, wird jener wundervolle Zuftand einer ewigen geiftigen Jugendlichkeit er* reicht und eine einheitliche Grundftimmung des gefamten Kartells gefchaffen. Das verliehen wir alfo unter der korporativen Idee des K. J. V., daß ber einzelne zur Gemeinfchaft ein inneres Verhältnis unterhält und daß er fich ihr verantwortlich fühlt. Diefe Gemein* fchaftsform ift dem K. J. V. immanent,- an fie zu rühren, hieße das K. J. V. in feiner Grundlage erfchüttern. Ganz fcharf zu trennen von diefer korporativen Grundidee find die Formen, die unfere Verbindungen von der deutfdhen Studentenfchaft übernommen haben. Die Tatfache, daß wir eine in Deutfchland lebende akademifche Organifation darftellen, brachte es mit fich, daß wir eine Anzahl ftudentifcher Gebräuche entlehnt haben. Wir meinten, daß unfere Stellung in der Studentenfchaft dies erforderlich machte, erachteten überdies gewilfe ftudentifche Formen als zur Erreichung unferes Erziehungsideals angemeflen. Es ift hier nicht der Ort, zu unterfuchen, 'ob und inwieweit die Einführung mancher Formen vom Standpunkte früherer Zeiten ihre Berechtigung hatte. Tatfache ift jedenfalls, daß unfere heutige Jugend und mit ihr ein erheblicher Teil der Älteren die Notwendigkeit mancher Formen nicht mehr einfieht und fie als. unferem Ziele nicht adäquat empfindet. Keiner geht hierbei fo weit, einer prinzipiellen Ablehnung alles Studentifchen das Wort zu reden. Bei äußeren Formen, deren Nichteinhaltung uns außerhalb des Rahmens der Studentenfchaft ftellen würde, wird jeder den Zweckmäßigkeits* ftandpunkt anerkennen. Nur gegen die Formen, die wir in unfer inneres Korporationsleben aufgenommen haben/ in dem Glauben, daß fie erzieherifchen Wert befitzen, richtet lieh die Stimmung. Der Grund der Veränderung in der Stellungnahme ift fehr leicht zu finden. Das große jüdifche Erlebnis der Kriegszeit, die Berührung mit der im Often Europas wohnenden Malfe unferes Volkes, unfere »Entdeckung des Oftjudentums«, mußte notwendigerweife den Wunfeh nach einer Revifion unferer Gemeinfchaftsformen zur Folge haben. Wir wußten es nun, durch eigene Wahrnehmung öder durch die Schilderung von Gefinnungsfreunden, daß dort im