Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2827066-2827067-2827072--0251-2827351- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
232 Hofdfcim, Das K. J. V. ausfetzungen wahrhaft zioniftifchen Lebens fchafft. Der Zionismus in höherem Sinne erfchöpft fich nicht in der Erkenntnis der Unhalt* barkeit des Goltislebens und in der Arbeit für die jüdifdie Zu* ktinft. Er verlangt in hervorragendem Maße die Liebe des einzelnen zur jüdifchen Gemeinfchaft und den unbedingten Willen, fich die fer einzuordnen. Zionift fein heißt ein fozial empfindender Menfch fein. Nur denjenigen hat die zioniftifdie Idee .zu neuem Menfchentum um-- geformt, der die Abhängigkeit des einzelnen Lebens vom Leben der Gemeinfchaft ganz unmittelbar begriffen hat, der grade die hödifte Steigerung feines Individuallebens darin erblickt, daß er fich als dienendes Glied feiner Gemeinfchaft zu fühlen vermag. Das K. J. V. ift für uns Surrogat eines paläftinenfifchen Lebens. Wir antizipieren uns Zion, indem wir unferer Organifation den Charakter eines kleinen Gem&nwefens geben, als delfen Bürger wir uns fühlen. Indem wir unfere Jüngften zur Unterordnung erziehen, ihnen begreiflich zu madien fuchen, daß all das, was fie im Augenblick als Zwang empfinden mögen, im Interelfe eines geord* neteri wahrhaft bundesbrüderlichen Zufammenlebens notwendig ift und durch das Bewußtfein des Refpektes, den wir der Gemeinfchaft fchulden, feinen tieferen Sinn erhält, glauben wir am beften HeimatS* gefühl für das K. J. V. bei ihnen zu erzeugen, die echte, hin* gebungsvolle Liebe bei ihnen hervorzurufen. Was wir unter Disziplin verliehen, läßt fich in wenigen Worten fagen: Refpekt vor unferer eigenen Gemeinfchaft. Legt man diefe Begriffsbeftimmung zu Grunde, fo beantwortet fidi die Frage, warum die Disziplin Grundform des K. J. V. fein muß, von felbft. Nur eine auf diefer Grundlage aufbauende Gemeinfchaft hat zioniftifdie Ekiftenzberechtigung und zioniftifdie Stoßkraft,- nur in diefem Geifte erzogene Menfchen können brauchbare Bürger Paläftinas werden. Das Gefühl der Verantwortlichkeit feiner Verbindung gegenüber er* ftreckt fidi jedoch nicht nur auf Fragen der Tendenz, auf jüdifdie Handlungen und Unterteilungen, fondern auf die gefamte Lebens* führung des einzelnen, und es beherrCdit nicht nur den Aktiven, fondern auch den Alten Herrn. Das K. T. V. unterfcheidet fidi dadurch von allen anderen akademifdien Örganifationen, daß die Altherrenfdiaft nicht außerhalb des wirklichen Lebens des Verbandes fteht und fidi etwa nur an* läßlidi einer befonderen Gelegenheit zeigt, fondern daß fie das geiftige Leben des Kartells mitlebt, ja es vielfach entfcheidend be* einflußt. Ein »Philifterium« im deutfdi*akademifchen Sinne gibt es bei uns nicht, kann es auch nicht geben. Wenn das deutfdie Studejitenlied fingt: »Philifter heißt man, und alles ift aus, und die am tollften gewettert, find ftill und ftumm«, fo läßt fich von uns weit treffender das Gegenteil behaupten. Das eigentliche K. J. V.-ertum, das Wirken für die jüdifdie Sache, beginnt erft recht eigentlich mit dem höheren Semefter. Wenn auch ein Teil der "Alten Herren, durch Beruf, Familie, jüdifdie Tätigkeit außerhalb des Kartells ge*