Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Hofdfoim, Das K. J. V. 231 Angelegenheit, die nur verfiandesmäßig erfaßt werden kann, und derjenige, der nur aus Gründen des Intellekts den zionißifthen Standpunkt vertritt, mag der präditigße und achtenswerteße Menßh fein, innerlich wird er nicht Anteil haben an dem Leben der Ge* meinfchaft. Diefen gefühlsmäßigen Untergrund, das intuitive Erfaflen des Zionismus als eines religiöfen Erlebnifles, kann für den bei feinem Eintritt uns innerlich noch nicht ganz angehörenden Bundes* bruder nur das Miteinanderleben Jchaffen. Bei denjenigen aber, die mit dem Glauben an unfere Idee bereits zu uns gekommen find, vertieft fich ihr zioniftifches Empfinden durch das Gemeinfchaftsleben. Es iß alfo grundfalfch, nur folche Veranßaltungen, die das gemein* fame Lernen zum Inhalt haben, als »jüdifch« zu bezeichnen und die andern als zwar auch notwendig, aber außerhalb des Rahmens unferer eigenßen Erziehung liegend zu betrachen. Unjüdifdhe oder nicht^ jüdifche Veranßaltungen kann es bei uns einfach nicht geben, da jüdifche Menfchen zufammenkommen und ihr jüdifches Leben mit einander leben. So wefentlich alfo die Rolle iß, die die geißige Ausbildung im K. J. V. fpielt, fo fehr grade auch das gemeinfame Lernen gemeinfchaftsbildend wirkt, fo iß entfeheidend für den Geiß eines Semefiers die Intenfität des Zufammenlebens. In dem Mit* einander* und nicht nur Nebeneinanderleben fehen wir die beße Garantie für eine zionißifche Erziehung. V Notwendig erfcheint es mir noch, die Frage unferer Formen zu erörtern,- notwendig deshalb, damit fo mannigfache falfche Auf* faflungen des Außenßehenden über das K. I. V. erledigt werden. Das K. J. V. iß auf einer korporativen Grundlage aufgebaut, d. h. es befieht ein enges Gemeinfchaftsleben, das fixh fchon äußer* lieh dadurch dokumentiert, daß fich alle K. J. V.*er, vom jüngßen Fuxen bis zum ältefien Alten Herrn, einander mit dem vertraulichen »Du« anreden. Die korporative Grundlage äußert fidi ferner darin, daß unfere Gemeinfchaft von jedem ihrer Mitglieder unbedingte, Disziplin, fordert. Daß mit Disziplin nicht ßarre Unterordnung und dumpfer, mechanifcher Gehorfam im militarifiifchen Sinne gemeint iß, verfieht fich von felbft. Wie wir aus freiefier geißiger Selbßbe* fiimmung heraus unferer Idee dienen, fo unterwerfen wir uns freiwillig den Forderungen, die diefe an uns fiellt. Den Sinn für die Notwendigkeit einer bedingungslofen Disziplin als Grundlage einer kämpfenden Gemeihfchaft unferen Leuten einzuimpfen, bildet einen wefentlichen Teil unferer Erziehungsarbeit. Dies zu erreichen, iß oft nicht leicht, da ein nicht kleiner Teil unferer Netiaufgenommenen an einem ungefunden Drange nach zügellofem Sichausleben leidet und fich nicht bewußt iß, daß diefe erfirebte Ungebundenheit eine höchft mißverftaridene Freiheit darfiellt. Wir willen, daß es fich um eine typifche Golus*krankheit handelt, und find überzeugt, daß erß eine radikale Überwindung diefes fchrankenfofen Individualismus die Vor*