Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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226 Hofdßeim, Das K. J. V. diefes 2'iel: die Bereitfchaft, für die jüdifdie Sadhe einzutreten und an einer belferen Zukunft unferes t Volkes mitzuwirken, jeder an feinem Platze, iß untere Erziehung gerichtet. Damit diefer Drang nach jüdifdher Aktivität in unferen Bundesbrüdern entliehe, iß es vorerß erforderlich, die Liebe zum Judentum in ihnen zu erwecken. Wir ßehen vor der unerhört traurigen Tatfache, daß der größte Teil unferer Jungen unter den für uns denkbar ungünfiigfien VerhältnilTen aufgewachfen iß. Wenn bei ihnen Milieu und Entwicklung nicht geradezu Haß \ind Verachtung gegen alles Jüdifdie verurfacht hat, fo doch wenigßens völlige Indifferenz. Von fchrankenlofem Individualismus, einem ungeßümen Drang nach feparatißifchem Sichausleben find die Meißen beherrfcht, und in der Befchäftigung mit äfthetifchen und kulturellen Dingen glauben fie ihr Lebensideal gefunden zu haben. Diefes an lieh prächtige Menfchenmaterial muß die Korporation erß in ihrem Sinne umformen. Sie muß bewirken, daß fich der Prozeß einer Revolutionierung des ganzen Menfchen bei ihnen vollziehe, daß fie erkennen, daß nur in ihrer jüdifchen Eigenart die Wurzel ihrer Kraft zu fuchen iß und es keine andere Rettung aus der Schrankenloligkeit ihres Dafeins gibt, als das freudige Bekenntnis zu ihrem Volke. Die Erziehung zu einem jüdifchem Patriotismus iß die erße Aufgabe unferer Gemeinfchaft. Nur wenn diefe jüdifdie Grundßimmting in die Herzen unferer jungen Bundesbrüder eingekehrt iß, iß es überhaupt möglich, an eine Erziehung im politifchen Sinne zu denken. Wenn ich von einer politifchen Erziehung fpreche,- möchte ich gleich einem Mißverßändnis vorbeugen. Es iß felbßverfiändlich, daß wir nicht gewillt find, Politiker heranzubilden. Das wäre fchon deshalb abfurd, weil politifche Befähigung nur bei wenig Menfchen vorhanden iß und eine individuelle politifdie Erziehung jedenfalls im Rahmen der Korporation ein Unding wäre. Was wir wollen, iß nichts weiter als Menfchen zu erziehen, die bei allem Idealismus, bei aller Unbedingtheit in ihren Anfchauungen und in ihren Forderungen mit beiden Füßen auf der Erde ßehen. Weltfremdheit und Negierung der realen Tatfachen dürfen wir Zionißen uns nicht leißen, die wir der ungeheuren Not unferes Volkes gegenüber^ ßehen und als eine kleine Schar neue gefunde Dafeinsbedingungen erßreiten wollen. Wie jeder einzelne von uns das Bewußtfein haben muß, Träger der Idee zu fein, fo muß er befähigt fein, an feinem Platz unferer Sache, oft in mühevollfier Kleinarbeit, zu dienen. Hierzu iß klarer Bfidi uud Kenntnis^ der realen Kräfte vonnöten. Es iß nicht jedermanns Sache, auf vorgefchobenem Pofien die zionißifche Pofition zu halten, und nur die wenigfien Menfchen haben Führerqualitäten aufzuweifen. Aber von jed£m verlangen wir, daß er, wenn es not tut, die Kleinarbeit des Alltags leißet und bereit iß, fich allen ihren Schwierigkeiten zu unterziehen. In diefem Sinne brauchen wir eine Erziehung zu Menfchen mit politifchem Bewußtfein, und wer fich durch Palfivität feinen zioniflifchem