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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 9

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Gosfar, Ziele und Wege einer nationaUjüdifchen Jugendbewegung 219 unfere Erziehungsmethode ein gefchloflenes- Bild jüdifdhen Wefens und Denkens geben, zum mindeften die Kenntnis und das Ver* ftändnis deffen vermitteln/ worin fidi bald zweitausendJahre lang nahezu alle jüdifche Geiftes* und Gemütskraft betätigt hat. Ebenfowenig, wie eine deutfdie Jugenderziehung ohne Jean Paul, Lefling, Herder und die beiden Dioskuren von Weimar möglich ift, ebenfowenig kann die jüdifche Jugenderziehung ihren Zwedk erfüllen, die an den Geißesfchätzen vorüber geht, deren Studium, Ausbau, Durcharbeitung und Erneuerung die Arbeit von fiebzig jüdifchen Generationen gewefen ift. Und es hieße, einen Trennungsftrich ziehen zwilchen uns und den jüdifchen Geiftesarbeitern von achtzehn Jahrhunderten, den Zufammenhang mit ihnen glatt durchfchneiden, wollten wir nicht auf unfere Jugend die Kenntnis der Bücher fortpflanzen, die ihnen das Leben lebenswert machten und* der heutigen Umwelt, in der fie fdiafften und — uns das Judentum und das Judenvolk erhielten. Ein jedes Volk hat, wie oben fdhon einmal gefagt, ein fpezififdhes Gepräge, hat geiftige Eigenarten und urfprüngliche Neigungen. > Die Gebiete, denen die Betätigung des jüdifchen Volkes im größten Teil feiner gefdiiditlichen Zeit gegolten hat — gewollt oder unter dem Zwang der Verhältnilfe, jedenfalls nicht ohne befondere PraedeftU nation — dürfen uns als Kulturgut niemals verloren gehen. Wir würden damit unfere Volksindividualität einbüßen. So fchlage ich denn vor, daß wir der Jugend nicht etwa Religionsunterricht erteilen oder fie zum medhanilchen Befuch des Gotteshaufes anhalten. Nein: unfere Aufgabe ift es, ihr zu fagen: in unferen alten Schriften ftecken Kulturgüter, die unausfcböpfbar und keineswegs wirklichkeitsnichts Menfchliches fremd geblieben ift.v Aus ihm könnt Ihr lernen, unter welchen Gefichtspunkten die jüdifchen Gefchlechter vor uns Stellung genommen haben zu allen Problemen des Rechts*, Familien-, Sexuallebens, der Witfenfchaft und der Sozialpolitik. Man muß wenigftens eine Spur verfpürt haben von diefem Geifte, von diefer Denkart, von diefer ganzen Anfchauungswelt, wenn man Anfpruch darauf machen will, ein hiftorifch gerichteter Jude zü fein, der den Zufammenhang mit den Gefchlechtern vor ficn nicht ganz verloren hat. Und warum foll ein jüdifcher Junge feine ethifchen Grundfätze, feine Lebensregeln nur von deutschen Dichtern und Denkern holen, von römifchen und griechifchen KlalTikern beziehen, wenn er bei. unferen alten Weifen ein nicht minder wertvolles, geiftiges Rüftzeug finden könnte? Zurück zum Eigenbefitz unferes Volkes! fei die Parole, ohne daß wir deshalb im Mindeften unferer deutfchen und Weltkultur Abbruch tun. Aber ich denke auch nicht etwa an religiöfen Gewiflenszwang. Wohl allerdings daran, daß wir die zioniftifche Jugend zum Ver* ftändnis und zur Achtung der Gedankenwelt und der Lebens* äußerungen des gefetzestreuen Judentums erziehen wollen. Ebenfo, wie wir von den Gefetzestreuen' immer wieder fordern mülfen, daß fremd und verftaubt

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