Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Gösfar, Ziele und Wege einer national^ üdilchen Jugendbewegung Wollen wir wirklich eine Jugendbewegung haben, die jüdißh iß und unfere jungen Menfdien zu Volljüden macht, fo muß diefe Bewegung, auf die Gefahr hin, die Leute abzuflößen, die wohl für eine Organisation reif find, nicht aber für eine Bewegung, die nicht nur an den Geldbeutel, fohdern an Seele, Gemüt, Lebenszielfetzung und Lebensführung Anfprüche ßellt, unfere Jugend voll und ganz beanfpruchen. Und um zu zeigen, wie weitgehend ich mir diefe Beeinfluflung denke, will ich hier aus der Fülle der Aufgaben, die diefer Jugendbewegung harren, nur die beiden herausgreifen, bei denen meine Abfichten am klarßen herausgearbeitet werden können. Die nationaljüdifche Bewegung in Deutfchland kann von dem Endziel Pafäßina, das allein ihr die Impulfe vermitteln kann, die wenigftens in gewiflem befchränkten Umfange — nationaljüdifche Bewegungen des Oßens aus dem Leben der jüdifchen MalTen ziehen können, nicht getrennt werden. Wir wollen nun, daß nach Paläßina nach Möglichkeit nur Volljuden hinübergehen, Menfchen, die nicht die Zerriflenheit und Halbheit herüberbringen, unter der die allere meifien von uns im Golus leiden. Dazu gehört aber eine Erziehung, die im Gegenfatz zu der heutigen jüdifchen Jugenderziehung in Deutfchland den jungen Menfchen das »ganze Judentum« vermittelt und nicht nur aus dem Zufammenhang geriflene Teilfiücke. Aus den Schulen und Gymnafien gehen wir hervor, ohne vom Judentum etwas anderes gelernt zu haben, als einige wenige, (ehr wenige, religiöfe Begriffe und nicht viel mehr biblifche und religionsgefchichtliche Begebenheiten. Kommt man danach in eine nationaljüdifche und zionifiiiche Organifation, fo wird diefer Torfo an jüdifchem Wiffen dadurch auszugeßalten gefucfat, daß wir uns mit jüdifiher Volksgefchichte, älterer und neuerer Literatur und mit der hebräilchen oprache mehr oder minder eifrig befalfen. All das gibt in feiner Lückenhaftigkeit und Halbfertigkeit alles andere eher als eine ge* Ichlöflene jüdifche Kultur oder auch nur die Grundlage dazu ab. Wollen wir wirklich uns mit jüdifchen Kulturwerten fo durchtränken, daß wir Juden genug fein werden, um fpäter drüben den Juden anderer Länder und nicht deutfcher Kulturkreife, vor allem aber auch unferer eigenen Vergangenheit nicht als Fremde gegenüberzußehen, fo gehört .dazu weit mehr. Das Judentum iß, wie wir den Gegnern aus dem Lager der rein kirchlichen Anfchauung oft genug gefagt haben, ein Gebilde aus Nationalem und Religiöfem zugleich, es iß Lebens* und Weltanßhauung, umfaßt Erde und Himmel. Die Erziehung zu Volljuden, die wir als Zionißen im Auge haben, darf deshalb genau fo wenig einfeitig national fein, wie fie in dem alfimilierten deutlchen Judentum einfeitig religiös iß. Beides als Einzelnes betrachtet, iß und bleibt nur Stückwerk. Man verfiehe midi nicht falßh: ich will nicht im Geiße und im Sinne einer be* fiimmten religiöfen Richtung im Judentum unfere heranwachfende Jugend in geißige Fefleln fchlagen und fie auf irgend welche »Rieht* Jinien« feßlegen. Wir müffen aber, wollen wir der Jugend durch