Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Gosfar, Ziele und Wege einer nationaUjiidifdien Jugendbewegung fie ihr Judentum nicht klerikaleren und nicht den Zufammenhang mit dem lebendig pulfierenden Volksleben verlieren, daß fie nidht ihr Auge gegenüber den LebensbedürfnilTen der Träger des Juden * tums verfchließen, fo wollen wir auch im eigenen Lager das Poftulat aufftellen, daß wir das Gefetz achten und uns auch im Privatleben dazu erziehen, es nicht ohne Not und vor allem nicht mit Vorbedacht zu verletzen. Wir wollen verfuchen, uns dazu zu erziehen, daß wir in Bezug auf Sabbathheiligung, Speilegefetze ufw. die Gefetze halten. Das ilt und wird keine Heuchelei fein, vielmehrnur Ausfluß der Erkenntnis, daß diefes Gefetz in vieler Hinficht uns überhaupt nur das Überdauern des Golus als gefchlolfene Volksgemeinfchaft ermöglicht hat und daß das Gefetz Volksgefetz ilt, das aufzuheben und ohne Not zu übertreten genau fo eine Affimilation an die Wirtsvölker bedeutet, wie der nationale Abfall vom Volkstum und wie Mifchehe und Taufe. Wir wollen und müflen alles Eigene erhalten und uns dadurch' auch die äußeren <und daraus unmerklich entftehend die feelifchen) Zufammenhänge fchaffen mit den Mafien im Often, denen diefer Eigenbefitz noch felbftverßändliches Kennzeichen und Merkmal des Juden bedeutet. Gewiß mag im Ritual und im Gefetz vieles unzeitgemäß und jetzt unzweckmäßig, veraltet und reformbedürftig fein. VergelTen wir aber nicht, daß jede Reform im Golus, die noch dazu immer nur die Reformbewegung einer kleineren jüdifchen Gruppe fein wird, unter dem Zwang der inneren Unfreiheit und der seelifchen Abhängigkeit von der Umwelt gefchieht, und daß nur in Erez Israel eine von jüdifchen Gedanken getragene, für das gefamte Judentum gültige Erneuerung vor lieh gehen kann. Meine Forderung lautet alfo: Heranbildung urtferer Jugend zu Volljuden durch Vermittelung der Bekannfchaft mit dem gefamten jüdifchen Geifteskomplex mit all feinen Schöpfungen und Erziehung zu einer Achtung und Anerkennung des Gefetzes, die auf dem Wifien von feinem Wert und auf dem Willen beruht, auch hierin eins zu fein mit dem Gefamtjudentum und den Gefchlechtern vor uns. Die Verantwortung vor den ungeborenen Generationen, dem kommenden Gelchlecht, foll der zweiten Forderung diefes Programms fein Gepräge geben. Eine Trennung des Jüdifchen vom Menlchlichen ift nicht möglich. Bedeutet uns doch Jude fein : Menfch fein mit <ler Zielfetzung der geiftigen und ethifchen Aufwärtsentwicklung im gewollten Rahmen unferes Volksganzen. Eine folche Einfchätzung der Zufammenhänge von Juden und Menlchentum recht* fertigt einen fo tiefen Eingriff in die Willensbeftimmung und die Lebensführung des einzelnen juugen Nationaljuden, wie fie diefer Programmpunkt vorfieht: Erziehung zur Sittlichkeit auch im fexual* ethilchen Sinne. Wir wollen die Generation fein, die das Volk von Grund auf neu aufbaut. Und wir wollen kein degeneriertes oder doch degenerierendes Volk mit laxer Gefchlechtsmoral,- mit Zwei* kinderfyftem und Spätehe mit all ihren fozialhygienifdi und ethifch