Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Gosfar, Ziele und Wege einer nationaUjüdifdien Jugendbewegung 217 ZIELE UND WEGE EINER NATIONAL^ JÜDISCHEN JUGENDBEWEGUNG Wodurch unterfcheiden fidi eine Organifation und eine Bewegung? Eine Organifation iß ein äußerer Rahmen, sie fügt Be^ ftehendes in ihren Kreis ein, faßt bisher vereinzelte Kräfte zufammen, fämmelt Gruppen, Vereine, Einzelperfonen, ßärkt ihrer aller Aktionskraft durch die Ermöglichung gemeinfchaftlidien Handelns. Sie verhindert Zerfplitterungen.und wirkt aufbauend, erhaltend und feßigend, handelt nach forgfam überlegten Zweckmäßigkeitsgründen und fein fäuberlich gedruckten Statuten. Die Bewegung iß etwas davon Grundverfchiedenes. Sie foll, wie es fchon ihr Name fagt, bewegen, Menfdien bewegen, tief im Innerfieri aufrütteln, von wohlerwogenen, 'theoretifch am grünen Tifch entworfenen Lebensplänen, von alltäg^ lidhen Entwiddungen abdrängen, sie aufpeitfchen und fie »himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt« machen. Sie foll ihr ganzes Leben entfcheidend beeinfluffen, zum Erleben werden, zum Lebensereignis, zur dynamifdien Kraft. Die Organifation erfordert Mitgliederbeiträge, Vorfiandsfitzungen ,• protokollierte Befchlüfle, die Bewegung den ganzen Menfdien mit Leib und Seele. Sie muß ihn, wenn wirklich fie ihn durchdrungen hat, modeln und umformen. Die Organifation vermag feine Lebensanfchauungen und Lebensformen nicht zu beeinfluflen. Gehe ich aus der Sitzung fort, fo bin ich der Alte, wie ftets zuvor. Die Bewegung foll und muß mit ihren fittlichen Idealen mir bis in die feinfien Nervenveräßelungen vibrieren. In diefem Sinne hatten wir eine eigentliche Jugendbewegung bisher kaum, oder nur für einen kleinen Kreis. Denn ein großer Teil derer, die wohl äußerlich zu uns gehörten oder zu uns zu gehören glaubten, war der Anficht, daß eine innere Trennung möglich fei zwilchen dem privaten Leben eines Menfdien und dem Lebensabfchnitt, den er der Sache, die er vertritt, widmet. Deshalb hat das Privatleben fo vieler von uns keine Spur davon aufgewiefen, daß wir ein Ideal vertreten, das im jüdifchen Sinne wieder aufbauen will, das auch *- und nicht nur in feinen Theorien — an die sitt> liehen Gründgehalte wieder anknüpfen muß, deren Befolgung unferem Volke das Ueberßehen der zweitausend Diafpora^Jahre ermöglicht hat, und die außerdem ein Produkt der fpezifilchen geifiigen Struktur des Volkes find, an das wir wieder den Änfchluß finden wollten. Sie kämpften in Wort * und Schrift gegen die » Affimilation«, merkten aber nicht, in welchem Maße fie felbfi Affimilanten waren, fahen nicht, daß fie die laxeren Sittlichkeitsbegriffe und den anders aufgebauten Moralkodex der Umwelt annahmen und fidi; immer weiter von dem entfernten, was nach Gefetz, Anfchauung der noch jüdifih, felbfiverfiändlich jüdifch lebenden Mafien und vor allem nach dem Geiße und den Forderungen des Judentums »jüdilch« hieß,