Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Cafväry, Gefeitwort sprechen: es ist zu wünschen, daß gerade die jetzt heranwachsende Generation sidi vor allen Dingen wieder an den Gedanken ge^ wöhne, daß »eine Persönlichkeit zu sein« etwas ist, wäs man nicht absichtsvoll wollen kann, und daß es nur einen einzigen Weg gibt, um es (vielleicht) zu werden, die rückhaltlose Hingabe an eine »Sache«. Die Sache, das ist es, der Ernst um Zion. Schon erhebt sich entschiedener Widerspruch von entgegengesetzter Seite her, nicht aus der Befürchtung, es könne Persönlichkeitsdünkel gezüchtet werden, sondern gerade aus dem Zweifel, ob überhaupt der Ernst um Zion vereinbar ist mit dem Rausch des Gemeinschaftslebens. Aber nicht um den Rausch handelt es sich. Wie einst die Fa^ milie, das Ghetto, die Gemeinsamkeit der Lebensbedürfnisse die Kräfte des Judentums zusammenhielt, so muß ein enges Gemein^ schaftsieben der jüdischen Jugend ein selbstverständliches Judentum erzeugen und erhalten. Die jüdische Jugendgemeinschaft, das jüdische Volksheim, die jüdische Schule, die jüdische Siedlung können Etappen auf diefem Wege zu einem naturgewachs^enen Judentum werden. Aber daß sie es werden, dazu gehört die Erkenntnis, daß es mit dem Gemeinschaftsgefühl nicht getan ist. Aus den eigenen Kreisen des Blau^Weiß wurde jüngst die Forderung laut, dieser möchte anstelle des Genusses, und sei es des edelsten Natura genusses, die gemeinsame Arbeit setzen. Hier ist eine Empfindung dafür erwacht, daß Schwärmerei und Begeisterung noch kein Judentum verbürgt. Denn die Aufgabe, die der jüdischen Jugend gesetzt ist, heißt, das Judentum nicht zu wünschen und nicht zu predigen, sondern zu leben. Crosse/i a. O. Moses Catvary