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Der jüdische Wille · 1918-10-01 · Heft 4-5 (Oktober 1918) · page 4

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 4-5 (Oktober 1918)
Date
1918-10-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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214 Cafvary, Geleitwort sind wir denn Menschen, so schaffen wir ihr einen Sinn! Das ist die Aufgabe, die unserem Willen, unserer Tatkraft, unserer Energie gesetzt ist. Es ist der Protest des wollenden und fühlenden Menschen gegen den erkennenden, — wie ihn übrigens bereits der Vater des Positivismus selbst in seinem Alter erhpben hat. Die künstlerische, gegenständliche Weltbetrachtung Goethes tritt, zum mindesten im Augenblick, in den Hintergrund, — eine Ähnung von der Welt der prophetischen Männer, eines jefaja oder Piaton dämmert auf. Nicht Hingabe an die Wirklichkeit, sondern Umschaffen der Wirklichkeit heißt die Losung. Das ist es, was wir in dem Leben unserer Jugend als Dumpfe heit der Bewegung empfinden, die Losgebundenheit der Kräfte des Gefühls und ihr Wunsch nach einem Ausdruck ihres Willens. Das trennt sie nicht nur von allem Vereinsleben und aller auf Organisation gerichteten politischen Tätigkeit, das gibt ihr auch den jüdischen Charakter. Denn nichts ist so universal wie die reine Erkenntnis/ die Wissenschaft ist, mindestens in der Tendenz, intern national. Wenn aber die Jugend den Sinn ihres Lebens nicht mehr in der bloßen Erkenntnis, fondern in der Entfaltung ihres Gefühls und ihres Willens sucht, dann bedeutet das eine Verlegung des Schwerpunkts in eine triebhaftere Sphäre ihrer Person^ lichkeit. Triebhafter sein aber, das heißt für uns: jüdischer sein. Und so scheint die jüdische Jugendbewegung unabhängiger von der deutschen zu werden. Dafür sind erst Anfänge vorhanden, aber diese unverkennbar. Ein anderes Ethos scheint sie, eben in jenem Willen zur Umgeftaltung des Lebens, zu beherrschen. Auch ihr Wille zur Siedlung ist nicht fowohl wie bei der deutschen Jugend ein Wille zur Natürlichkeit, sondern zur Geschlossenheit der Persönlichkeit, nicht so sehr eine Entfaltung, wie eine Bändigung des Trieblebens. Vom Willen bis zur Tat ist freilich ein weiter Weg. Es ist von jeher die Gefahr des Judentums gewesen, auf diesem Wege irgendwo Halt zu machen. Der Wille, den Gott in die Wirklichkeit umzusetzen, ist als jüdischer Wille oft gepriesen, — seine Begleiterscheinung in der- Geschichte des Judentums ist oft genug die Ohnmacht gewesen, die Wirklichkeit umzugestalten. Und wenn die Jugend sich abwendet von der reinen geschichtlichen Erkenntnis, vom Geiste des bloßen Positivismus, so ist doch nicht zu verkennen, daß in jener geschichtlichen Hingabe eine Beziehung zum natura gewachsenen Dasein lebte, die nicht ohne Gefahren aufgegeben wird. Es sind ja auch nicht die Kräfte der Erkenntnis an sich, die abgelehnt werden, eine Art emotionaler, gefühlsbestimmter unreiner Erkenntnis beherrfcht die Geister, der Wille zur Umgestaltung des Lebens führt wiederum zu einer erkenntnismäßigen Vertiefung. Aber eben in der geschichtlichen Besinnung lag eine ständige Selbstkontrolle der Erkenntnis, die frei fchwebende Erkenntnis führt leicht zu vagem, molluskenhaften, gestaltlos * plätschernden

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