Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 4-5 (Oktober 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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GELEITWORT*) Es scheint, . daß der Krieg in einer Hinsicht stark auf dia. jüdische Jugend — freilich nicht nur auf die Jugend, und nicht nur auf jüdische Menschen — gewirkt hat, ihr Wesen in einer Rich- . tung. umgebogen hat, —' mag auch ein Hang zu diefer Biegung schon bestanden haben, — und ihr ein Befreier von Energien geworden ist. Die Generation derer, die heute im Mannesalter stehen, ist in gefcßicßtficßer Betrachtung aufgewachfen. Selbst der jüdische Nationalismus hat sich an Treitschke genährt, Die europäische Geschichtsa iffassung aber war bei aller Gegensätzlichkeit der Schulen — Heroenkult oder Milieutheorie, Materialismus oder Geistesgeschichte —- in einem Punkte einheitlich: sie war auf geschichtliche Erkenntnis gerichtet. Das scheint uns selbstverständlich, ist es aber erst im Laufe des 19. Jahrhunderts geworden. 'Noch für Goethe, der eben eine Geschichtswissenschaft in unserem Sinne kaum kannte, war an der Geschichte das Beste der Enthusiasmus, den sie erweckte. Erst das naturwissenschaftliche, induktiv gerichtete Zeitalter hat die eigentliche Methode geschichtlicher Erkenntnis erschlossen und verbreitet. So verschiedene Männer wie Ranke und Comte stehen hier auf demselben Boden: es gilt ihnen, die Tatsachen geschichtlichen Lebens zu erkennen. Als eine be* herrschende Tatsache im Leben der Völker aber fand man den Staat; so wurde die Machtentfaltung des Staates für Männer wie Treitschke und Seeley die geschichtlich wirksame Kraft an sich. Aber gerade die Bestätigung, die diefe Lehre durch den Weltkrieg zu finden schien, wurde vielen von uns ein Anlaß zu einer tieferen Besinnung. Ihr Widerspruch war nicht gegen die Lehre selbst gerichtet, oder darf es doch nicht sein, jene Männer hatten ja ein* fach ausgefprochen, was ist. Sondern dies ist der Widerspruch: Genügt es denn, auszusprechen, was ist? Kann Erkenntnis genügen? . Mag es immerhin sein, Geschichte ist, soweit sie unserer Erkenntnis gegeben ist, eine Entfaltung und Entwicklung natürlicher Ur* fachen, und so betrachtet hat die Geschichte keinen Sinn. Aber was schert das uns? Sie hat keinen Sinn, — gut denn, warum *) Das Geleitwort ifi: vor dem Jugend tag geichrieben worden. D. Per f.