Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Rußafchoff, Erftlinge der Entjudung 197 rein Äußerliche und Materielle, das Alltags- und Schlaraffenleben. Indem es felbß gedankenlos iß, und der Begierde und dem Schein ohne Widerßand anheim gefallen, zeigt es fich nur dann gerüßet und zum Kampfe fertig, wenn es fürchten muß, aus diefem Elemente, als in welchem feinem Schlupfwinkel es fich fehr behaglich und ein* heimifch findet, aufgefchredkt und aus feinem Frieden und feiner Sicherheit geßört zu werden. Inwiefern diefer Erbfeind alles Gedankens es auch hier fei, der unferm Fortfehreiten Schwierigkeiten in den Weg legt, will ich mit wenigen Zügen zu fchildern unternehmen. Alles was iß, hat feine doppelte Natur in fich, eifi Allgemeines und ein Befonderes/ als das Erfie iß es die Gattung, von der es iß, als das Zweite das beßimmte Individuum diefer Gattung. Der Menfch iß nicht blos das, daß er Menfch iß, fondern auch, daß er diefer Menfch, diefes beßimmte Ich iß. Wende ich diefes auf unfern Verein an, fo hat auch er eine doppelte Natur. Iß auch Arbeiten vollbringt, iß er gerade am allerwenigßen der Scholle verfallen und zuzufchreiben: fo iß doch andererfeits fein befonderes Dafein wiederum an den Boden gewiefen, worauf er entßanden iß, und auf welchem er noch ßeht. Diefe Beziehung kann er nicht ganz zurückweifen: fie iß es, die nicht ohne Einfluß auf äußeres und inneres Gedeihen, auf Wachstum und Entfaltung iß. Wenn ich daher von Hindernden fpreche, die fich dem Fortfehreiten des Vereins entgegenfetzen, fo lallen fie fich näher in die folgenden Fragen zufammenziehen. Wefcße Scßwierigfieiten erwaeßfen für den Verein aus dem ßefonderen Zufiand der uns umgeßenden Gfaußensgenoffen? Dies iß die Frage, die ich zu beantworten habe. Es iß bekannt genug und weder einem der hier verfammelten noch auch einem der abwefenden Mitglieder fremd, daß vor unge^ fähr fünfzig Jahren von Berlin aus über die deutfehen Juden das Licht einer belferen Kultur aufging, deren zum Teil wohltätige Folgen noch heute verfpürbar find. Die fchlechte Mifchung eines halb orientalifchen, halb mittelaltrigen Lebens wurde gebrochen, an die Stelle einer vollkommen fremdartigen Bildung trat die Morgenröte einer belferen Erziehung, und was bisher fchroff eine ganz abgeänderte Stellung behauptet hatte, das neigte fich der allgemeinern Richtung zu. Diefer Bruch in die bisherige Gediegenheit des jüdifchen Lebens, welcher vornehmlich von Mendelsfohn ausging, und in feinen Jüngern und Folgern die nächfien Verbreiter hatte, mußte zur unausbleiblichen Wirkung haben, daß die aus der Gediegenheit und der Innigkeit der Gemeinfchaft Heraustretenden fich nur ledig* lieh auf fich zu ßellen fuchten, als welches die vollendete Negation des frühern Zufiandes iß und an fich eben von gar keinem andren Wert, als daß er diefes Negative iß. Diefes fich auf fich Stellen, welches, wenn man es weiter verfolgt, den Charakter des ganzen damaligen Zeitalters, oder das Wefen der fogenannten Aufklärung das Allgemeine fein Element, worin er feine