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Der jüdische Wille · 1918-08-01 · Heft 3 (August 1918) · page 55

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 3 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
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Rußafcßoff, ErftÜnge der Entjudung 195 ftandcn worden find? Und wenn idi auch gern zugeben will, daß der Gedanke des Vereins, eben weil er ein Gedanke iß, fich nicht •dazu eignet, von der Menge begriffen zu werden, die nur das Ge* dankenlofe faßt, fo möchte ich abermals fragen : haben die, fo fich »die Belferen und Tüchtigeren nennen, die, welche das Denken und «das höhere Menfchliche überhaupt gleichfam für ihre Profeffion aus* £eben möchten, tätige Beweife ihres Verftändnilfes gegeben? Ich wenigftens erinneie mich nicht, fie gefunden zu haben. Heute, wie früher, fehe ich mich genötigt, zu fagen, was diefer Verein wolle, wo ich freilich lieber ,an die Stelle jener abftracten Darfiellung in den concreten und gediegenen Reichtum der Ausführung mich be* feben hätte, um zu fagen, wie das Gewollte fich verwirklicht habe. Lin anderer Reichtum iß es leider, mit dem ich mich heute zu be* fchäftigen habe, der Reichtum der Hindernifle, die fich uns entgegen* fetzen, und die ich nicht allein befchreiben, fondern auch erklären will. Diefen Verein habe ich fchon häufig als das gefchildert, was <Iie Zeit wolle und weifen fie bedürftig fei, was nicht die Willkür zufammenhalte, fondern die Notwendigkeit hervortreibe. Fragt man mich aber, was die Zeit wolle, fo antworte ich : fie will das Bewußtfein von fich erringen, fie will nicht bloß fein, fondern auch fich wilfen. Kein Leben foll gelebt werden, von deflen Notwendigkeit fie nicht auch zugleich überzeugt fei, keine Erfcheinung foll fich zeigen, von der nicht die Gewißheit da fei, daß fie nur fo und nicht anders erfcheinen könne. Indem diefes Streben der Zeit die höchfie Stufe iß, die überhaupt errungen werden kann, liegt in ihm auch -die höchfie Beruhigung und die höchfie Verföhnung. Das Bewußtfein fieht nitht mehr, ein unverföhnlicher Feind, den Erfcheinungen «des Lebens gegenüber, fiets bereit, fie zu meifiern und anzuklagen, , fondern es weiß fich eben fo heimifch in den Erfcheinungen des Lebens, als diefe in ihm ihre Rechtfertigung und ihre Erklärung finden. Wenn fo das Bewußtfein feinen Frieden mit den Dingen fchließt, fo folgt aus diefem Friedensfchlufle nun das wichtigfte Er* ,gebnis für die Gefchichte des Menfchengefchlechts. Da das Bewußtfein fich mit den Erfcheinungen verföhht hat und fich mit ihnen eins weiß, fo dringt es auch mit ftärkerer Kraft als zuvor auf diefe Rechtfertigung und. Verantwortung der Dinge vor feinem Richterfiuhle: es will fie durchdringen, fich in ihnen wiffen, welche Möglichkeit der Durchdringung eben nichts anders ift, als diefe Rechtfertigung. Kann es eine beftimmte Erfcheinung nicht durchdringen, kann es fich in ihr nicht wilfen, o dann ift auch zu* gleich das Todesurteil für die Erfcheinung ausgefprochen, fie ift gar nicht wirklich, fondern ihre Exiftenz ift nur eine ephemere, vorüber* gehende und nichtige. — Soll ich diefe unabweisliche Forderung der Zeit auf unfern Verein anwenden, fo war und bleibt es feine Aufgabe, das Juden* tum als den Gegenftand, auf den er ausfchließlich angewiefen ifi,

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