Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Landauer, Zionismus und Aflimilation 191 der Religion, als Einheit des Haffes, ja gar als Einheit der im Zufammengehörigkeits'gefühl nadhgewiefenen Liebe, ~* aber nirgends von den Juden als Einheit des Schaffenwollens von den Juden als Einheit der Tat fpricht er nicht. Und das liegt im Wefen feiner Theorie. Denn nach ihr haben die Juden nichts gewollt, ihre Kulturtat fcheint noch zu fehlen. Ihre Religion ift keine Leiftung der Juden, fie find nur mehr ihre Konfervatoren. Hätte der jüdifche Geilt fie gefchaffen, fo könnte er daran weiter wirken, fo wäre diele Religion fortbildungsfähig. Das aber will Breuer gar nicht. Zu welchem Ziel weift er denn uns diefes totgeborene Kind zu? Wir follen nicht Vater fein? Dann erlafle man uns auch die Koften, die Verpflichtung, es zu erhalten. Denn diefe Verpflichtung ift drüdtend, dies Gefchenk ift anfpruchsvoll. Es reklamiert für fich unfere ganze Kraft, unfer ganzes Leben. Diefe Religion Coli unfer einziger kultureller Inhalt fein. Die Weltmiffion, die Breuer den Liberalen abfpricht, beanfprucht. er aber <S. 84) für feine Religionsauffalfung. Damit ift ihr Urteil gefprochen. Sie teilt das Schickfal aller rein geiftigen Bewegungen, die Grenzen der Nation zu überfchreiten. Breuer felbß gibt zu, daß eine Religion in ihrer notwendigerweife geheifchten Allgemeingültigkeit oder Alleinfeligmachung nicht national ift,- um wieviel mehr die Religion, wenn fie nicht Kind unferes fchaffenden Geiftes, Objekt unferer ferneren Kulturtätigkeit ift, wenn gar der Sinn unferes Dafeins ift, fie anderen Völkern muftergültig vorzuleben. Als Einwand und Erfatz bietet Breuer lediglich das Wort »Nationalreligion«. - Die wefentlichen Forderungen aus diefem Begriff follen wir nicht (teilen. Selbft die glänzende Darfteilung der Palfahnacht vermittelt nicht den Gedanken, daß hier eine jüdifche Tat vorliegt. Wir wollen keine neue Kultur in das Judentum einführen. Dem jüdifchen Geift, delfen Spezifikum und Einzigartigkeit unfere Daleinsberechtigung nachweift, fofern überhaupt ein Volk es fchuldig ift, folchen Nachweis zu erbringen, ich fage, dem jüdifchen Geift wollen wir die Vorausfetzungen, Ureigenes zu fchaffen, die ihm feit dem Jahre 70 fehr wefentlich fehlen, wiedergeben. Wir wollen aufhören, uns an eine andersnationale Mehrheit anlehnen zu müflen/ deshalb erftreben wir den jüdifchen Mittelpunkt. Nur dann werden wir Einzigartiges wie jene großen Geifter leiften, felbftändige Elemente im Kulturbewußtfein der Völker werden. Kann man uns da noch, das Recht abfprechen, den Schutz der kleinen Nationen zu beanfpruchen? Da heißt es, diefer Gedankengang fei affimilantifch, nur die religiöfe Idee fei jüdifch. Ja, dann waren auch unfere Vorfahren in Erez Jisrael bis zum Jahre 70 Affimilanten. Sie lebten unter eben den Bedingungen, die wir wiederherzuftellen trachten. Vor allem aber bedenke man hier eines: es ift nichts Auffallendes, daß in jener Zeit die Fragen der Religion im Vordergrund ftanden, die alte Literatur vorwiegend religiöfen Inhalts war, die Gesetz^