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Der jüdische Wille · 1918-08-01 · Heft 3 (August 1918) · page 49

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 3 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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Landauer, Zionismus und Affimilation 189 zerftreuten, aber nicht des Zufammenhangs beraubten Volksgemein* fchaft. Auch Sabbatais Zewis Bewegung fußte auf keiner Theorie.„ Vielmehr hat man diefe Volksbewegung nach den Methoden der allgemeinen Wiflenfchaft unterfudit, und die Ergebnifle diefer Prüfung als hinlänglich theoretifche Begründung genommen gegen die Ein* Wendungen, die eine geftörte Affimilation erhob, und die fich nun die Orthodoxie zu eigen macht. Der Grundgedanke in Breuers Widerlegung ift folgender: Der — praktifche — Zionismus hätte feine Berechtigung, gäbe es, einen kulturellen Inhalt der jüdifchen Nation, delfen Erhaltung am eine paläftinazentrifche Politik gebunden fein könnte. Indem der Zionismus diefes bejahe, hypoftafiere er der jüdifchen Nation affi* milatorifdi die Kultur Welteuropas, fuche durch ein Kunftprodukt das einzige Urgewächs des Judentums zu verdrängen:, die jüdifche Religion. Dtefe aber widerfpreche als eine Gefetzesreligion wefent* lieh der lokalen Zentralifierung. Inwiefern eben diefer Widerfpruch Wefen ,des Judentums, obiger Auslegung ift, bleibe aus dem gefagten Grunde hier aus* gefchaltet. — Leider begegnen wir wieder einer bedauerlichen Erfcheinung,. die fchon vor einiger Zeit die Diskuffion Buber-Cohen fo peinlich, beeinträchtigte. Mit welchem Rechte wird die zioniftifche Bewegung als religionsfeindlich verfchrieen, obgleich z. B. die Misrachi*Partei fchon den Gegenbeweis antritt? Wir mülfen Breuer fragen: in welcher zioniftifchen Schrift, in welcher Rede, jn welcher Anweifung erklärt der' Zionismus als notwendiges Mittel die religiöfe Desinfizierung der jüdifchen Nation, u. f. f.? Und in diefem Gedanken heißt es dann, wir entkultivierten die Nation. Was iß denn kultureller Inhalt? Zunächß gälte es abzuurteilen, in welchem Umfange die Kulturleiftungen der einzelnen Nationen zu einer einheitlichen Völkerkultur und einem einheitlichen Kultyrbewußtfein zufammengefchloflen find,- fpezififche National*- kultur von Allgemeinkultur zu trennen. Ein übervölkifches Kultur* bewußtfein hat fich herausgebildet. Kulturell wertvolle Leitungen, haben fich dadurch allen Nationen genießbar machen lalfen. Trotz* dem Nationalkultur. Gäbe es einen abgefchlolfenen, einen quantitativ nachweisbaren Kulturinhalt einer Nation, fo wäre die Gefchichte diefer Nation erledigt, ihr Fazit gezogen. Es ftände nichts im Wege, diefen Inhalt in Büchern aufzuzeichnen <was Breuer anerkennt). Die Nation aber könnte beruhigt ausfterben oder ins Mufeum gehen. Sie hat nur noch archivarilchen Wert, kann von der Bühne des Lebens abtreten. Oder wäre der Selbftgenuß in Weltentrüduing ihr Dafeinsrecht? In dem Falle würde es fchwer halten, im harten Kampfe den Platz unter der Sonne noch zu behaupten. Eine Welt (türmt auf uns ein. Die Frage ift an alle Nationen gerichtet: was wollt Ihr? Sie beantworten, hieße ihre Berechtigung anerkennen..

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