Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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188 / ' ■ Landauer, Zionismus und Affimilation ZIONISMUS UND ASSIMILATION Zu Breuers »Judenproblem« Eine längft aktuelle Frage bedarf einmal der rückhaltlofen uneingefdiränkten Betrachtung, nämlich: Ift der zioniftifche Gedanke mit der Affimilation der Juden verknüpft? Ein Buch ift erfchienen, für das wir dem Verfaffer hohen Dank fchufden: I. Breuer, Judenproblem. Zum erften Mal liefert die deutfch-jüdifche Orthodoxie einen4 programmatifchen Beitrag zur Judenfrage, man kann fagen, gleich von autoritativer Seite. In glänzender Darfteilung enthält die Schrift ein unentwegtes, feftes Bekenntnis zum Nationalismus, das wir an fidi begrüßen können. Diefes Bekenntnis jedoch aus diefen Kreifen — und der Verfaffer weiß das <S. 88/89) — überrafcht uns etwas. Und unfer Miß^ trauen findet reichlich Nahrung/ denn diefer Nationalismus führt nach vorheriger Verherrlichung der zioniftifchen Theorie zum ausgefprochenen Antizionismus. Nun foH die Schrift hier nicht als der Ausdruck der jüdifchorthodoxen Idee gewürdigt werden. Obgleich es von großer Bedeutung ift, unfern abweichenden Standpunkt darzutun ,• obgleich es fich lohnt, nicht nur die mannigfach unterlaufenen hiftorifchen Irrtümer klarzuftellen, fondern auch wichtige Widerfprüche gerade in den entfcheidenden Abfthnitten vom Wefen des Judentums und von den Weftjuden aufzudecken, wollen wir uns diesmal nur mit den Stellen des Buches befallen, die dem Zionismus gewidmet find.*) Es lieft fich hübfch vom wiffenfchaftlichen Wert der zioniftifchen Theorie, ihrer wiffenfchaftlichen Brauchbarkeit und damit ihrer wiffenfchaftlichen Richtigkeit, über die ausführlich gehandelt wird. Aber dann geht es weiter: gut, wenn der Zionismus Theorie geblieben wäre. Er ftellte jedoch im affimilatorilchen Gedankengange ein politifches Aktionsprogramm auf und wurde eine Bewegung. Hier liegt das "Geheimnis feiner Schwäche. Quod erit demonstrandum. Schon in diefer Logik liegt ein völliges Verkennen der Entwicklung des Zionismus. Der Zionismus Tollte eine nach wefteuropäifchtheoretifchen Gefichtspunkten orientierte Bewegung fein? Die Folge ift umgekehrt. Der Zionismus ift geboren als Volksbewegung, unabhängig von Theorien, an verfchiedenen Zentren der Judenheit,- ohne gegenfeitige Verftändigung ift er fpontan aus der jüdifchen Volksfeele hervorgebrochen, bei den Chowewe Zijon in Rußland, bei Theodor Herzl im affimilantifchen Wefteuropa, in Paris. Das Erfühlen des Judentums, die £>elbftbefinnung, das jüdifche Erlebnis hat den Anftoß gegeben. Herzl kannte nicht Heß und nicht Pinsker, aber er erlitt das Judenproblem. Zionismus ift ein neuer Namen für eine immer wiederkehrende Erfcheinung im Galuthleben: die notwendig konvergierende Tendenz einer durch Gewaltakt *> Eine Würdigung von orthodoxer Seite werden wir in einem fpäteren „Heft bringen. D. Red.