Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Krojanker, K. }. V. und Mifchehe Mauer, die jeder leidit überfchreiten kann, und die für diejenigen, die dahinter bleiben, die Luft nur um fo dumpfer macht. Dann haben tatfädhlich diejenigen recht, die dahin argumentieren, daß an der Tatfache einer Liebe fchon fiärkere Gefetze zunichte geworden find als Refolutionen von Kartelltagen und daß bei der Wahl zwtfchen der Zugehörigkeit zu einem akademifchen Bund und dem vermeintlichen Lebensglück niemandem Zweifel entßehen werden. Es kann fich für uns eben immer nur darum handeln, mit allen Mitteln jene Erziehung zu fördern, die jeden einzelnen eine wahrhaft jüdifche Lebensführung erftreben läßt. Und da das Judentum nicht nur eine Idee ift, der Wahl verwandte von allen Lagern zuftrömen können, fondern eine naturgegebene Gemeinfchaft, deren Art fich in allen Alltäglichkeiten auswirkt, ift allein mit dem Bekenntnis zu einer Idee die Möglichkeit zu einem jüdifchen Leben nicht gegeben. Es korfimt für uns darauf an, durch unfere Erziehung die pfychologifche Einftellung zu fchaffen, die das ftärkfte Präventiv gegen die Gefahren der Mifchehe bedeutet. Denn mir fcheinen im Grunde weder die erotifchen Triebe noch die äußeren Zufälle des Zufammentreffens und Sichkennenlernens für das Eingehen einer Mifchehe fo maßgebend wie die geiftige Richtung, die unfere Stellung zu den pfychologifchen Tatfachen diefes jüdifchen Seins beftimmt. Das ift ein fchwieriges Gebiet, das fich in diefem Rahmen nur andeuten läßt. Nur fo viel kann gefagt werden, daß zweifellos zum Eingehen einer Mifchehe ftärker diejenigen geneigt lind, deren Zionismus im Grunde mehr ein Los vom Judentum bedeutet als ein Hin dazu und die fich aus diefem Widerfpruch helfen, indem fie fein fäuberlich fcheiden zwifchen dem wahren Judentum, dem Urjudentum, d. h. dem, was ihnen zufagt, und dem Ghetto, d. h. dem nicht nur Ghettomäßigen, fordern allen, was ihnen aus irgendwelchen Empfindungen heraus zuwiderläuft. Es kann auf die Wahl der Lebensgefährtin nicht ohne Einfluß fein, wenn man fich z. B. gewöhnt hat, in der Jüdin fchlecfatweg jenen intellektuellen, instinktverlassenen und reißerischen Typ zu fehen, wie er gewissen Schichten unserer Großstädte eigen ist. Ein Aufsatz im »Juden« <I, 9>, der diesen Typ als »den« jüdischen hinstellte und der bezeichnenderweise Widerspruch nur aus den Reihen der Betroifenen selbst gefunden hat, war sicher vielen von uns aus dem Herzen gesprochen. Es ist nicht gleichgiltig, oh jemand so sieht, oder ob er weiß, daß es daneben noch die Jüdin vom alten Stamme gibt, von der noch ein Außenseiter wie Kerr zu sagen hat, daß sie »ein besser nie zu wünschendes, durchleuchtetes, mutvolles, denkfähiges, schweigsames und kraftgewaltiges Wunder« sei. Einstellung ist hier alles. Und sie kann durch Erziehung erzielt werden,- wir müssen nur Ernst machen mit der Liebe zum Judentum, von der wir soviel reden. Diese Liebe nämlich darf nicht nur irgendeine Lieblingsidee, die man durch schwierige Auslegungen glücklich als »die« jüdische abstrahiert hat, sondern sie muß in Wahrheit alles