Der jüdische Wille
- Journal
- Der jüdische Wille
- Volume
- I (1918-1919)
- Issue
- Heft 3 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Krojanker, K. J. V. und Mifchehe 175 der Entfcheidung ruhig entgegenfehen können, fofern wir nur das unfere getan, d. h. den Kommenden fo viel vom Judentum vermittelt haben, daß fie überhaupt wiffen und fühlen, was fie aufgeben wollen. Denn das letzthin Entscheidende wird auch bei ihnen wieder aus jenen Tiefen kommen, die man bewußt machen und in ihrer Kraft fördern, aber auch durch die befte Erziehung niemals erfetzen kann. Und das Entfcheidendße : Woher follen wir das Recht und die Möglichkeit nehmen, den höchß aktiven Anfchluß an unfere Gemeinfchaft von unteren Kindern als ein ethifches Poftulat zu fordern? Auf Grund der Erziehung allein? Aber dann hätten wir uns alle fehr an unferen Eltern vergangen, foweit fie uns zu Deutfchen und nichts als dem zu erziehen beßrebt waren. Es iß nidit einzufehen, mit welchem Recht ein Vater auf Grund feines bischen Erziehung jüdifche Betätigung von einem Kinde verlangen will, das nicht nur die fiarken Einflüfle der Umgebung erfahren hat, fondern auch von Natur aus zwifchen zwei Lagern ßeht. Jeder unferer Einwände gegen die Affimilation, gegen ihre Möglichkeit wie gegen ihre Moral, wird dem Mifchling gegenüber nichtig. Und doch war diefe Argumentation nicht der urfprüngliche und entfdieidende Grund zu unferer Oppofition gegen die Mifchehe. Darin hat Riefe ganz rechtaber er betrachtet die Dinge fehr äußerlich, wenn er meint, daß beßimmte Einzelfälle die Mifchehen* debatte bei uns ausgelöfi haben. Sie waren Anlaß/nicht Urfache. Diefer Anlaß war fchon viel früher und häufig genug gegeben, ohne zu einer öffentlichen Diskulfion zu führen. Sie zu ermöglichen, mußte erft der tiefere Grund gegeben fein, der in der Wandlung unferer zionifiifchen Auffalfung von einem formalen Bekenntnis des Nationalismus zu dem Streben um feine materielle Fundierung durch jüdifche Inhalte und ein jüdifches Leben zu fuchen ift. Keine Einzelfälle, fondern diefelbe Tendenz, die uns in den letzten Jahren Paläftina, jüdifche Gefchichte, Hebräifch und anderes mehr in immer ßeigendem Maße nahe brachte, hat auch der Op* fprung zu fuchen : in dem natürlichen Gefühl, daß die Mifchehe mit diefer Tendenz nicht vereinbar iß und daß, wer eine Mifchehe eingeht, im entfcheidendften Punkte jenen Einflülfen erliegt, gegen die unfere Beftrebungen gerichtet find. Die Argumentation kam hinterher ,• und ob fie fich nun ralfentheoretifch, foziologifch oder ethifch gab — ihre Wurzel liegt immer hier. Und deshalb kann der einzelne Einwand gegen ein einzelnes Argument noch fo richtig fein, im ganzen bleibt die Tatfache beliehen, daß die Mifchehe mit einem nicht nur parteimäßig bekannten, fondern gelebten Zionismus in Widerfpruch ßeht. Damit iß unfere Stellung zu einer Refolution gegeben. Sie iß finnlos, wenn fie durch die Beredfamkeit einiger Führer und mit Hilfe des üblichen Apparats, der vor wichtigen Abfiimmungen in Funktion tritt, durchgefetzt wird. Dann iß fie tatfächlich nur eine - pofition gegen die Mifchehe