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Der jüdische Wille · 1918-08-01 · Heft 3 (August 1918) · page 34

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Journal
Der jüdische Wille
Volume
I (1918-1919)
Issue
Heft 3 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
– (sequence 34)
Language
German
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174 Krojanker, K.). V. und Mifdiehe vom entrückten Genius unferes Volkes auffteigen. Aber von un^ fagbarer Schwierigkeit bleibt die Frage, wie er in die kindliche Seele fenken foll, was er erß fpät und als Intellektueller überkam. Er mag zu Akademikern fprechen können, aber die Seele des Kindes zu erreidien, wird ihm verfagt fein, weil er nur durch Gedanken geben kann, was er durch die Selbßverßändlichkeit eines Lebens mit allen feinen Formen und Symbolen geben muß. Und wenn er trotz alledem den Verfuch macht, wird er unfehlbar fcheitern müflen, wenn er nicht in der Mutter, dem entfcheidenderen Teil, verßändnisvolle und hilfsbereite Unterfiützung findet. Es braucht nicht gefagt zu werden, daß die jüdifche Frau, auch wenn fie aus noch fo unjüdifchem Haufe kommt, dazu fähig iß, daß aber die chrißliche Frau, auch wenn fie aus Liebe zum Mann zu allem be^ reit ift, hier notwendig verfagen muß. Der Wille allein macht es eben nicht, fondern jene entfcheiHende Verbundenheit, die uns felbfir nie geübte Gebräuche als nichts Fremdes, fondern wie eine Er* innerung an Kindheitstage erfcheinen läßt. _ Was wir dem Kinde über das allgemein Menfchliche hinaus an jüdifchen Werten vermitteln wollen, kann ihm die chrißliche Mutter nie geben, und fei fie zehnmal übergetreten ,• fehr wohl aber kann fie, wenn nicht durch fich felbß, dann durch ihre Verwandtfchaft, ein ßarkes Gegengewicht gegen alle unfere Bemühungen werden. Ich habe bisher den Begriff des »unjüdifchen« Haufes von Riefe kritiklos über-, nommen. Es iß jedoch in Wahrheit garnicht zu fagen, wie jüdifch noch das unjüdifchße Haus iß. Es bleibt eine Welt für fich, auch wenn keine Feiertage mehr gehalten werden. Und diefe Welt befieht nicht nur aus Vater und Mutter, fondern aus dem ganzen Verwandtenkreis mit der überrafchenden Gleichartigkeit feiner geifiigen Struktur, mit diefen in berufliche und beßenfalls noch äßhetikhe Dinge verßrickten Intereflen, mit diefem unglaublich fiarken Zufammenhang zwifchen jedem und jedem, und alles in allem mit diefem Hauch aus vergangenen Jahrzehnten, der <wie die Gerichte des Haufes) an gefetzestreuere Zeiten erinnert. Aus folchem Milieu ßammt unfer Zionismus : als ein Widerßand, aber auch als eine Folge. Mit der chrißlichen Frau gibt man feinen Kindern nicht nur eine nichtjüdifche Mutter, fondern man eröffnet ihnen durch ihre Verwandtfchaft eine neue und unferen Bemühungen durch fich felbß feindliche Welt. Es wirken jetzt nicht mehr nur die Einflüfle des Lebens außer dem Haufe, fondern man hat diefe Einflülfe in das. Haus felbß hineingetragen. Glaubt jemand, gegen diefe Welt von Tatfachen mit feinem bischen Willen ankämpfen zu können? Immerhin wiflen wir, daß auch wir felbft im günfiigßen Fall unferen Kindern, die hier aufwachfen, jene letzte Entfcheidung, vor die wir uns felbß geßellt fahen, ganz nicht werden erfparen können, Die Einwirkungen einer anders gerichteten Umgebung werden immer zu fiark fein, jedes Problem und damit die Notwendigkeit jeder Stellungnahme von vornherein auszufchließen. Aber wir werden

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